Arbeitslos nach Italien auswandern?

Arbeitslos nach Italien auswandern?

Wer nach Italien auswandern möchte, ohne schon einen Job dort zu haben, kann, wenn er in Deutschland schon arbeitslos gemeldet ist, in Italien vor Ort den Neuanfang starten: Indem er dort direkt Arbeitslosengeld beantragt.

Mit einigen Regeln und Einschränkungen.

Die Rechtslage

Ein Arbeitssuchender aus Deutschland hat in jedem anderen EU-Land Anspruch auf drei Monate Arbeitslosengeld, wenn er in Deutschland seit mindestens vier Wochen arbeitssuchend gemeldet ist. (Ausnahmen kann man mit seiner deutschen Agentur für Arbeit absprechen.)

In Italien zu Arbeitslosengeld kommen – die 2 Basics

1) Noch beim deutschen Arbeitsamt das Formular U2 (früher: Formular E 303) anfordern. Damit kann man sich später in Italien im Arbeitsamt, bzw. beim zuständigen INPS, melden.
2) Innerhalb von sieben Tagen nach der Ausreise beim INPS vor Ort melden, um den Antrag dort auf den Weg bringen zu können.

(Wer in Italien keine neue Arbeitsstelle findet, und wieder nach Deutschland zurückkehrt um dort weiter Arbeitslosengeld zu beziehen, muss vor Ablauf der im Formular U2 genannten Frist zurückkehren. Wer das versäumt, verliert alle verbleibenden Leistungsansprüche nach seiner Rückkehr nach Deutschland.)

Worauf lasse ich mich da ein?

Man muss folgende Sachen wissen, wenn man als Arbeitsloser Deutscher nach Italien auswandern möchte
1) Die Zeit von Anfang an gut nutzen. In der Regel muss man beim INPS schon seine entsprechenden italienischen Dokumente vorzeigen, um den Antrag komplett auf den Weg bringen zu können. Wer also nicht ewig auf sein Geld warten will, sollte sofort nach Ankunft seinen codice fiscale und die residenza beantragen um schon bei der Antragstellung alles beisammen oder zumindest auf den Weg gebracht zu haben.
2) In Italien mahlen die Mühlen langsam. Es ist keine Stärke italienischer Beamter, Dinge schnell abarbeiten zu wollen und es ist auch nicht die Regel, dass man sich in den Dienst von Antragstellern stellt. Also kann es gut sein, dass der Antrag auf Arbeitslosigkeit ersteinmal liegen bleibt, weil ein Detail nicht ausgefüllt wurde oder ein Beleg fehlt. Dabei muss es nicht so sein, dass dies dem Antragsteller mitgeteilt wird. Wer also keinen positiven Bescheid des Amtes auf dem Postweg erhält muss nachhaken, warum der Antrag noch nicht bearbeitet ist.
3) Offiziell hat man das Recht auf den gleichen monatlichen Betrag an Arbeitslosengeld, den man auch in Deutschland bezogen hat, denn das italienische Arbeitsamt holt sich das Geld ohnehin vom deutschen Träger. Soweit die Theorie. In der Praxis landet man meist weit unter dem in Deutschland ausgezahlten Betrag. Dabei sagen einem die Beamten mitunter recht offen, dass für sie die italienischen Durchschnittslöhne des jeweiligen Sektors gelten und dass man zufrieden sein soll, überhaupt etwas zu bekommen. Aber auch, wenn bei der Berechnung rechtmäßig das deutsche Durchschnittseinkommen zugrunde gelegt wird, kann das Arbeitslosengeld in Italien nicht den maximalen Betrag von 1.300,- Euro überschreiten.

Quellen:
europa.eu
provinz.bz.it

13 Gedanken zu „Arbeitslos nach Italien auswandern?

  1. Hallo Kim, ich bin 46 Jahre und von Beruf Krankenpfleger mit Diplom! Wohne in Österreich und bin totaler Italien-Fan. Meine ital. Sprachkenntnisse sind eher auf Basis beschränkt; dennoch möchte ich den Sprung zum Auswandern nach Italien wagen! Hätten Sie ein paar Tips, bzw. Hinweise an welche Stellen man sich wenden kann! Dankeschön im Voraus und liebe Grüße Michael

    1. Hallo Michael, also in Südtirol ist es mit wenig Italienischkenntnissen für den Einstieg sicher leichter. Sie könnten Initiativbewerbungen an Privatpraxen schicken und mal sehen, was daraus wird, oder erst umziehen und vor Ort suchen. Wegen des Diploms können Sie sich hier weiter informieren, was die Anerkennung angeht:
      Viel Erfolg!
      Kim

  2. Hallo Kim,

    leider gibt es im Impressum keine Mailadresse an die ich schreiben könnte. Ohne MicrosoftAccount funktioniert es leider nicht.
    Eshalb stelle ich meine Frage einfach mal auf diesem Weg. Hoffe das ist o.k. .
    Ich habe hier in einem Artikel mal gelesen, dass man als Freiberufler in Italien an die 30% in die Rentenverischerung zahlen muss.
    Ich hatte wochenlang per google nach Infos zur Beitraagshhe in Italien gesucht. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, wo man innerhlab von Minuten problemlos zu diesem Thema Infos im Netz findet, ist das bei Italien leider nicht der Fall.
    Deshlab war ich total dankbar, dass ich hier Infos gefunden hatte.
    ich war allerdings über diese fast 30% Rentenabgabe total geschockt und strich deshalb, obwohl ich Italien lieb, von meiner Liste der möglichen Einwanderungsländer. Nun sitze ich unglücklich in Spanien, denn wer Italien liebt,kann natürlich in Spanien schwer glücklich werden. Denn das ist ein Utnerschied wie Tag und Nacht.
    Also fing ich vorhin wieder an zu googeln, ob ich nicht doch mehr und evt, auch andere Infos über die Rentenversicherungs-Beiträge für Selbstständige finden würde.
    Und tatsächlich habe ich eben in einem Text über Szialversicherung in Italien die Info gefunden, dass der Beitragssatz für Selbstständige nur 16,5% ihres besteuerbaren Einkommens beträgt.
    Das wäre ja ein gewaltiger Utnerschied zu 30%.
    Allerdings kommt dieser Text aus Südtirol.
    Nun meine Frage. Kann es sein, dass es da so große gewaltige Unterschiede gibt? Oder stimmt eine der beiden Zahlen nicht?
    Über eine Nachricht diesebezüglich würde ich mich sehr freuen.
    Sorry, dass ich das in diesem Blog frage. Aber ich habe wie gesagt keine Mail schreiben können und auch keine Möglichkeit gesehen, mich zu registieren und selbst ein Thema zu starten.

    Liebe Grüße

    Evelyn

    1. Hallo Evelyn, zuerst einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich erst jetzt antworte, aber Dein Kommentar war mir komplett durchgerutscht.
      Hast Du evtl noch die Quelle Deiner Info zur Hand? Was mir zuerst einfällt ist, dass der geringere Betrag der Sozialabgaben daraus resultieren kann, dass er vom reinen Brutto-Einkommen heruntergerechnet wurde? Auf die (fast) 30% INPS kommt man, wenn man vom Brutto-Einkommen schon alles abgezogen hat, das man als Selbständiger abziehen kann.
      Ich versuche aber gern, meinen Steuerberater hier zu fragen, gib mir nur kurz Bescheid, wo Du die Info gefunden hast, ok?
      LG!
      Kim

  3. Hallo, ich bin eine deutsche jugendliche Witwe, ohne Kinder und lebe seit vielen Jahren in Norditalien. Ich wuerde gern andere Deutsche in Norditalien, ca. 20 km vom suedlichen Gardasee entfernt, zwecks Gedankenaustausch kennen lernen.

  4. Danke für den interessanten Artikel!
    Meine Frau und ich sind grade in Bozen auf Wohnungssuche und möchten uns hier dauerhaft niederlassen ohne einen festen Job. Da wir als Filmschaffende immer nur projektbezogen angestellt arbeiten (und zwischendurch längere Zeit auch mal „Leerlauf“ haben), fragen wir uns, ob wir neben der Mitgliedschaft in einer europäischen KV noch „freiwillig“ Beiträge bei der INPS o.ä. zahlen müssen…? Wir sind nicht arbeitslos gemeldet und planen dies auch nicht in Italien zu tun, fragen uns aber daher schon ob wir dann nicht während unserer erwerbslosen Zeit irgendwelche Renten- und/oder Sozialversicherungskosten zahlen müssen (welche ja während einer Festanstellung oder während des Bezugs von ALG gedeckt wären).
    Wir wären dankbar für jede Info 😉

    1. Hallo David, Danke für Deinen Kommentar! Also „Das Richtige“ wäre, wenn Ihr Euch hier mit Wohnsitz anmeldet, Euch auch komplett in Italien zu versteuern und die Sozialabgaben zu zahlen. (Es sei denn, Ihr fallt in eine Sonderkategorie, weil Ihr Euren Verdienst gar nicht in Italien erwirtschaftet. Aber das kann Euch nur ein Profi sagen.) Sonst riskiert Ihr, dass das italienische INPS Euch im Nachhinein wegen Prellung am Hals hängt.
      Wenn Ihr hier lebt, habt Ihr automatisch die staatliche italienische KV, ohne jegliche Kosten. Ihr zahlt als Selbständige Steuern und INPS einmal im Jahr proportional zu Eurem Verdienst. Also keine festen monatlichen Beiträge. Das INPS betrifft die Sozialbeiträge/Rentenbeiträge. Ich persönlich würde Euch empfehlen, mal einen Steuerberater zu fragen, der Euch alle offiziellen Anmeldungen und Abrechnungen macht. Für Bozen gibt es da auch einen Eintrag auf unserer „Expertenmap“ (http://italien-inside.de/deutsche-auswanderer-in-italien-eine-uebersicht/).
      Viel Erfolg!
      Kim

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