Namensrecht in Italien

Namensrecht in Italien

Wenn in Italien ein Kind geboren wird und der Name des Vaters dem Krankenhauspersonal bekannt ist, kommt sein Nachname auf die Geburts-Bestätigung, mit der es dann ab zum Einwohnermeldeamt geht. Auch dort gilt nur eines: Der Nachname des Vaters. Auch wenn das Paar nicht verheiratet ist. Wenn eine Mutter ihren Namen gerne – ganz bescheiden – an ihr Kind weitergeben möchte, gibt es eine Möglichkeit: den Doppelnamen.
Das heisst, nun, man darf im nächsten Bezirksgericht einen Antrag stellen. Ein Richter dort entscheidet dann, ob er den Doppelnamen genehmigt.

Diese Praxis gefiel einem Mailänder Ehepaar gar nicht – die wollten dem neuen Ankömmling unbedingt den Nachnamen der Mutter geben und haben sich durch die Instanzen geklagt. Bis „Europa“ Italien, wegen Diskriminierung, abgemahnt hat. Das war letzte Woche.

In derselben Woche (!!!) wird in Italien ganz fix beschlossen, dass der Missstand umgehend behoben wird. Kaum ein Politiker außer dem Innenminister hat sich groß dazu geäussert (ok. die Mussolini-Enkelin hat sich den Fall auf die Fahnen geschrieben und freut sich, dass diese Diskriminierung nun endlich ein Ende hat). In den Nachrichten werden nicht viele Einzelheiten bekannt, außer dass beschlossen wurde, dass die Kinder die nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes geboren werden, den Nachnamen der Mutter annehmen können, wenn der Vater nichts dagegen hat (!!!).

Nun fragen sich die Italiener: Was passiert, wenn Geschwister nun unterschiedliche Nachnamen haben? Und: Was ist, wenn das Paar sich nicht auf einen Namen einigen kann? Und (vor allem): Werden die Behörden es überhaupt schaffen, das Gesetz umzusetzen? Ich würde mich für die nächsten Jahre ja ersteinmal nicht darauf einstellen…

10 Gedanken zu „Namensrecht in Italien

  1. Hallo zusammen, ich möchte mal mit diesen Gerüchten aufräumen. Ich bin 1990 in Italien geboren, meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt nicht verheiratet. Auf der Geburtsurkunde stehen die Namen beider Eltern aber ich habe den Nachnamen von meiner Mutter bekommen. Ich kenne außerdem noch viele andere Familien, wo die Kinder den Nachnamen ihrer Mutter haben,und sogar eine wo die Jungs den Nachnamen des Vaters haben und die Mädels den der Mutter.
    Also in Italien ist dies alles kein Problem.
    Was ich leider nicht weiß ist wie es ist wenn Menschen aus Deutschland oder anderen Ländern zu uns kommen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es dort genauso funktioniern wird und die Elter selbst entscheiden können welchen Nachnamen das Kind haben soll.

    Liebe Grüße aus Italien

    1. Hallo Anna, Danke für Deinen Kommentar. Wir bekommen recht oft Anfragen dazu. Es ist gut zu wissen, dass es (manchmal?) recht unkompliziert klappt. Also wenn Du ein kürzeres Prozedere als den Gang zum Bezirksgericht kennst, um den Nachnamen der Mutter zu geben, dann immer gern her mit der Information.
      LG
      Kim

  2. Hallo
    Wir (beide Italiener und in Deutschland geboren) haben letzte Woche ein Kind bekommen.
    Da ich den Nachnamen meiner Frau angenommen habe und in Deutschland geheiratet haben heisse ich nun in Deutschland wie meine Ehefrau, in Italien behalte ich ja mein Name, was in meinen Augen schon Diskriminierend ist. Nun wollen wir das unser Kund auch den Nachnamen der Mutter bekommt. Habe ich das richtig gelesen das dies kein Problem mehr in Italien ist seit 2014?
    Bitte dringend um Antwort, da wir einen Termin in Frankfurt am Main buchen wollen.

    Danke für eure Hilfe.

    Vg Giovanni

    1. Hallo Giovanni,
      ich würde annehmen, dass das italienische Anagrafe einfach den in Deutschland „verabreichten“ Nachnamen Eures Kindes übernimmt. Aber ich würde zur Sicherheit unbedingt ein Konsulat anrufen, bevor Ihr das in Angriff nehmt, auch weil Ihr vielleicht eine für die Internationalen Angelegenheiten geeignete Geburtsurkunde vorlegen müsst.
      Viele Grüße und viel Freude mit Eurem Nachwuchs!
      Kim

  3. Ich (deutsche) und mein Lebensgefährte (Italiener), beide wohnhaft in Deutschland, erwarten im Januar 2019 ein Kind. Da mein Lebensgefährte eine neue Arbeit in Mailand gefunden hat, werden wir zumindest vorübergehend, evtl. auch längerfristig in Italien leben. Ich werden aber unsere gemeinsame Wohnung in Deutschland als Erstwohnsitz behalten. Da es sein kann dass das Kind in Italien zur Welt kommt möchte ich mich vorab über die Namensgebung informieren. Da ich auf jeden Fall möchte dass das Kind, bis ich und mein Lebensgefährte verheiratet sind, meinen Nachnamen trägt würde ich gerne wissen welche Anträge etc dafür notwendig sind. Außerdem möchte ich das wenn wir heiraten, egal ob in Deutschland oder in Italien, das es nach deutschem Recht läuft und ich seinen Namen annehmen kann.

    1. Hallo Anna,
      ich würde Dir empfehlen, zB in der deutschen Botschaft in Rom anzurufen, um ganz sicher sein zu können, wie es bei Deinen Wünschen funktionieren kann. Denn meiner eigenen Erfahrung nach ist es so:
      Im italienischen Krankenhaus wird der Nachname des Kindsvaters vor der Geburt angegeben und die gesetzliche Lage ist, dass dieser erst einmal der Nachname des Kindes wird (auf Geburtsurkunde, Codice Fiscale und Krankenkassenkarte etc). Danach könnt Ihr dann zum Amtsgericht, und die Namensänderung beantragen, über deren Ausgang ein Richter entscheidet. Dann müsst Ihr nochmal alle Dokumente wie Steuernummer, Krankenkassenkarte etc anpassen lassen.
      Wenn Ihr in Italien heiratet, behälst Du standardmäßig Deinen Nachnamen und ich glaube, Du kannst gar nicht einfach so den Deines Mannes annehmen.
      Aber wie gesagt, vielleicht können die Konsulate Dich da einmal umfassend beraten.
      Auf jeden Fall alles Gute!
      LG
      Kim

  4. Also, wir haben das ja noch nicht konkret angepackt, aber hier schonmal meine Erfahrungen:
    1) Das nächste Konsulat fühlt sich nur zuständig für Dich und Dein Kind wenn Du keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hast. Die Dame mit der ich im Mailänder Konsulat telefoniert hatte hat mich sofort abblitzen lassen als sie mitgekriegt hatte, dass ich mich noch nicht abgemeldet hab in Deutschland und gesagt, ich soll zur Gemeindeverwaltung gehen, wo ich angemeldet bin.
    2) Die von meiner Gemeindeverwaltung haben gesagt: Komm vorbei mit dem Kind und einer Geburtsurkunde auf der die Namen beider Eltern stehen („Coppia Integrale“). Zeitpunkt ist egal. Kind ist sowieso Deutsche wenn Mutter deutsch. Dann wird der Knirps direkt auch dort angemeldet und gut ist. (Wie das dann sein wird wenn er Schulpflichtig ist und aber eigentlich im Ausland lebt, weiss ich nicht.)
    Hilft das weiter????
    Gruß aus dem Süden
    Claudi

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