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Das Kind ist da – in Italien (Teil 3)

Das Kind ist da - so geht es weiter:

Schwanger Mutter Kind Italien

Die Geburt ist geschafft, Mutter und Kind sind wohlauf. Wie geht es in Italien nun ersteinmal weiter? Im Allgemeinen dürfen Väter den ganzen Tag bei Frau und Kind bleiben, oder eine vorher nominierte Ersatzperson (manche Hebammen betonen, dass sie Schwiegermüttern den Zugang außerhalb der Besuchszeiten kategorisch verweigern).

In den meisten Krankenhäusern in Italien ist inzwischen Rooming-In möglich, oder gar der Standard. Während der Besuchszeiten müssen aber alle Neugeborenen in das „Nido“ gefahren werden aus Angst vor zu viel Wirbel und Keimen, und Kindern unter 12 Jahren ist der Zugang zur Wöchnerinnen-Station im Normalfall komplett untersagt. Für Geschwister werden Ausnahmen gemacht, man spricht sich am besten im Vorfeld schon ab, wie das Handling vor Ort ist.

In der Neonatologia

Morgens werden die Kinder mit der Kleidung für den neuen Tag von den Müttern in die Säuglingsstation („Neonatologia“ oder „Nido“) gefahren, wo sie gewaschen und angezogen werden. Die Mütter werden gerne gefragt, ob sie einmal dabei sein wollen, um Tipps zum Wickeln, baden und der Nabelpflege zu bekommen. Auch die Nasenspülung mit Kochsalzlösung wird evtl. gezeigt, wenn Geschwisterkinder zu Hause krank sind und die Mutter diese italienische Standard-Methode zur Abhärtung anwenden möchte. (Nicht zu empfehlen, es am eigenen Kind zeigen zu lassen). Die Babys bleiben dann noch eine Weile dort weil die Kinderärztin die tägliche Untersuchung durchführt. Schon im Krankenhaus selber wird dem Neugeborenen ein Blutstropfen abgenommen, um den obligatorischen Test auf bestimmte genetische Krankheiten durchführen zu können. (Nur wenn der der Test positiv ausfällt oder nochmals durchgeführt werden muss, meldet sich jemand später telefonisch bei den Eltern). Bei der Entlassung werden Mutter und Kind lange Listen mit Aufbau- und Vitamin-Präparaten mitgegeben, die in der Apotheke besorgt werden müssen.

Tendenz Fläschchen

Normalerweise bleiben Mutter und Kind drei Tage im Krankenhaus und vor der Entlassung wird durch „doppeltes Wiegen“ (Wiegen des Kindes vor und nach dem Stillen) festgestellt, ob das Kind nach Verlassen des Krankenhauses auch künstliche Milch erhalten sollte. Hier ist man nicht zimperlich, empfohlen wird sehr schnell das Zufüttern mit Babymilch-Pulver aus dem Supermarkt. Es gibt zudem eine klare Tabelle mit den Gewichtszunahmen, die in den ersten Monaten erreicht werden „müssen“ und wenn der Säugling diese nicht „einhält“, wird das Fläschchen zusätzlich zum Stillen quasi verordnet. Erst nach und nach fasst die Leche League Fuß und bietet Beratung zum Stillen an. (Hier geht es zu den Kontaktpersonen vor Ort). 

Hebammen zu Hause und Rückbildungsgymnastik?

… leider ersteinmal Fehlanzeige. Die Hebammen von Krankenhaus und ASL stehen gerne telefonisch zur Verfügung oder man läßt sich einen Termin geben. Aber Hausbesuche stehen nicht auf dem Plan. Dazu muss man eine freiberuflich tätige Hebamme organisieren, deren Tarif meist Verhandlungssache ist, aber um die 20 Euro pro Stunde sollte man einplanen. Manche Krankenhäuser bieten inzwischen Rückbildungsgymnastik an, aber auch hier gilt, selber nachzufragen und eventuell selber zu organisieren, denn die Kurse sind nicht so weit verbreitet und „in aller Munde“ wie in Deutschland.

Rund 40 Tage nach der Entbindung steht dann die Nachuntersuchung der Mutter beim Frauenarzt an. Diese ist nun auch im Consultorio des ASL nicht mehr gratis („esente“), sondern kostet rund 30 Euro.

Die ersten Standard-Untersuchungen für das Baby nach der Entlassung

…. finden noch im Krankenhaus in der „Neonatologia“ statt und die Termine werden schon direkt bei der Entlassung mitgegeben. Standard sind je eine augenärztliche und eine ohrenärztliche Untersuchung sowie ein Ultraschall um die Hüftstellung zu untersuchen.

Es sollte auch direkt der erste Termin mit dem Kinderarzt vereinbart werden, der das Kind nun in regelmäßigen Abständen untersucht. Neben den in regelmäßigen Abständen wahrzunehmenden normalen Vorsorgeuntersuchungen gibt es auch Kinderärzte, die das Baby im ersten Jahr monatlich sehen wollen.

Der erste Brief, den der Säugling erhalten wird, ist vom Finanzamt (mit dem direkt nach der Geburt beantragten „Codice Fiscasle“ als Kärtchen), der zweite kommt dann vom ASL und lädt zur ersten der drei frühen obligatorischen Impfungen ein.

Streitpunkt Impfen

Auch in Italien gibt es Impfgegner, Impfskandale und Gerichtsverfahren von Eltern, die Impfschäden bei ihren Kindern vermuten. Das ist ein heißes Eisen, und es seien hier Informationsquellen für jeweils beide „Lager“ genannt:

Die Seite „vaccinarsi“ wird vom Gesundheitsministerium herausgegeben und beinhaltet die gängigen und immer aktualisierten Impfkalender und Informationen dazu, auch zu Risiken und Nebenwirkungen von Impfen und vor allem Nicht-Impfen. Die Bewegung der Impfgegner tummelt sich in erster Linie auf Foren und Facebook (AUTISMO, DANNI DA VACCINAZIONI E MALASANITA‘ und Gruppo Nazionale Contro le Vaccinazioni di Massa Obbligatorie), auf dieser Seite finden sich Links zu gängigen Reports, Artikeln, Studien und Testimonials zum Thema.

 

Über kim (65 Artikel)
Kim ist 2006 ausgewandert und hat „hier und da“ in Italien gewohnt. "Angekommen" ist sie nun im Oltrepò Pavese. Sie arbeitet für eine Agentur im Bereich E-Mail und Online Marketing.

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