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Corona-Virus in Italien: Auflagen für die Bevölkerung

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(Deutsche) Rente in Italien beziehen

Viele Italien-Auswanderer haben sowohl in Deutschland als auch in Italien gearbeitet und fragen sich, wie es mit einer späteren Rentenzahlung aussieht. In Kürze vorweg:

Für einen Anspruch auf eine deutsche Rente zählen auch bestimmte ausländische Zeiten mit. Und wer in Italien wohnt, kann sich die Deutsche Rente auch direkt durch das italienische INPS auszahlen lassen.

Die Versicherungsträger, also die Deutsche Rentenversicherung für die Arbeitszeit in Deutschland, und das italienische INPS für die in Italien erworbenen Ansprüche, prüfen getrennt, ob nach den jeweiligen nationalen Rechtsvorschriften ein Rentenanspruch besteht und zahlt gegebenenfalls eine Rente. Es ist möglich, dass man aus beiden Staaten jeweils eine Rente erhält. Eine „Gesamtrente“ oder „Europarente“ gibt es aber (noch) nicht.

Für einen Anspruch auf deutsche Rente muss neben anderen Voraussetzungen – wie beispielsweise der Erfüllung eines bestimmten Lebensalters – auch eine Mindestversicherungszeit, die so genannte Wartezeit, erfüllt sein. Diese ist bei den verschiedenen Rentenansprüchen unterschiedlich. So beträgt sie bei der deutschen Altersrente für langjährig Versicherte 35 Jahre, während sie bei der Regelaltersrente nur 5 Jahre beträgt. Zur Erfüllung dieser Wartezeiten werden nach dem Europarecht deutsche Zeiten und Versicherungszeiten in den anderen Mitgliedstaaten zusammengerechnet. Auch die anderen Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten müssen bei der Prüfung ihrer Anspruchsvoraussetzungen die deutschen Zeiten berücksichtigen.

Ansonsten richten sich die Voraussetzungen für eine Rente, wie zum Beispiel Erreichen der Altersgrenze sowie Vorliegen von Invalidität allein nach dem jeweiligen nationalen Recht. So kann es vorkommen, dass aus der Rentenversicherung des einen Staates bereits ein Rentenanspruch besteht, während die Voraussetzungen für eine Rente im anderen Staat erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt sind, weil dort zum Beispiel eine höhere Altersgrenze besteht.

Wo welchen Antrag stellen?

Wer zum Zeitpunkt der Antragstellung für die Rente in Deutschland lebt, kann auch die italienische Rente fristwahrend bei der Deutschen Rentenversicherung stellen und umgekehrt. Das gilt auch für Rechtsbehelfe gegen Entscheidungen des jeweils anderen Versicherungsträgers.

Stellt man in einem Staat einen Rentenantrag und hat Versicherungszeiten in mehreren Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten zurückgelegt, gilt er gleichzeitig als Antrag auf eine entsprechende Rente im anderen Staat. Man muss also nur einen Antrag stellen. Der Versicherungsträger, bei dem der Antrag gestellt wird, informiert den oder die anderen ausländischen Versicherungsträger und leitet das Rentenverfahren für den Antragsteller ein. Wichtig: Beim Antrag immer die Versicherungszeiten in allen Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten angeben!

Rentenberechnung

Für die Berechnung der Rente gilt der Grundsatz, dass jeder Mitgliedstaat oder Abkommensstaat den Betrag der Rente nur aus seinen eigenen Versicherungszeiten und nach seinen Rechtsvorschriften zahlt.
Wer also in Deutschland und Italien in die Rentenkassen eingezahlt hat, erhält je eine Rente von der deutschen Rentenkasse und eine vom italienischen INPS, sofern die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. (Für eine „Kleinstrente“ gelten Sonderregelungen.) Den aktuellen Status der persoenlichen (Renten-) Situation erhaelt man bei der deutschen Rentenversicherung automatisch einmal jährlich per Post. In Italien kann man sich die Rente inzwischen im Netz ausrechnen lassen.

Deutsche Rente in Italien auszahlen lassen

Bei gewöhnlichem Aufenthalt Deutscher Rentner in Italien erhalten Berechtigte ihre volle Rente aus allen Beitrags- und beitragsfreien Zeiten wie in Deutschland. Während des Auslandsaufenthalts kann die Rente wahlweise auf ein eigenes Konto bei einer Bank im Ausland oder auf ein eigenes Konto bei einem Geldinstitut in Deutschland gezahlt werden. Beim Transfer der Rente nach Italien können Bankspesen (zu Lasten des Rentners) anfallen. Um die Rente ins Ausland zahlen zu können, benötigt die deutsche Rentenversicherung die internationale Bankleitzahl (Bank Identify-Code, kurz BIC) und die internationale Kontonummer (International Bank Account Number, kurz IBAN).

Der deutsche Rentenversicherungsträger prüft bei Auslandsrenten einmal jährlich, ob der Empfänger noch lebt und die Rente weiter gezahlt werden kann.

Fragen?

Man kann das INPS auch telefonisch kontaktieren.

>> Von Italien aus:
Tel 803164 kostenlos vom Festnetz aus
Tel 06164164 vom Handy aus (normale Mobiltarife)

>> Kostenlose Hotline von Deutschland aus: Tel 08001821138

In der Begrüßung unter allen Nummern kann man auch einen Service auf Deutsch anwählen. Das habe ich selber ein paar Mal versucht, aber es lief immer in eine Endlosschleife hinein. Wählt man den normalen Service auf Italienisch kommt man gut an einen Kundenberater.

Supportzeiten per Telefon:
Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Samstag von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Quellen:
Deutsche Rentenversicherung
Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA)

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Alltägliches Gesundheitswesen

Schwangerschaft auf Italiensich (Teil 2)

Gegen Ende der Schwangerschaft übernehmen Hebammen und Ärzte des Krankenhauses die Vorsorgeuntersuchungen und es wird nochmal voll im Terminkalender. Da hilft es, dass werdende Mütter in Italien bereits zwei Monate vor errechnetem Geburtstermin im Mutterschutz sind. (Wie man als Freiberufler Mutterschutz beantragt haben wir schon beschrieben, für Angestellte ist die Prozedur natürlich weniger komplex.)

Die Krankenhauswahl ist natürlich auch in Italien nie leicht. Es stehen Kliniken und Krankenhäuser zur Verfügung. Die Kliniken, die private Träger haben, aber mit der staatlichen Krankenkasse zusammenarbeiten, haben meist ein netteres Flair als die oft heruntergekommenen Krankenhäuser. Aber bei der Wahl ist folgendes einzubeziehen: Die privaten Träger sind gesetzlich nicht verpflichtet, Räume und Geräte für Maßnahmen wie zum Beispiel Rianimation zu haben. Man sollte also im Einzelfall abklären, ob die Klinik die man sich zur Geburt des Kindes vorstellen kann, über die geeignete Notfallmedizin verfügt bzw. ab welcher Komplikation man für die Versorgung verlegt werden muss.

Ist das Krankenhaus ausgewählt, geht man dort am besten persönlich mit der Überweisung vom behandelnden Gynäkologen vorbei und macht mit einer Hebamme die nächsten Termine aus. Als Erstgebärende kann man sich (meist auch mit Partner) zu einem Geburtsvorbereitungskurs anmelden. Dazu benötigt man ebenfalls eine Überweisung vom Gynäkologen. Wenn der Termin des Kurses steht, geht man mit Überweisung und Termin zum CUP (Centro Unico di Prenotazione) , zahlt das Ticket (ist nicht kostenlos, für einen Kurs von acht Sitzungen mit Ehepartner zahlt man etwa 100 Euro) und gibt den Beleg dann zu Beginn des Kurses bei der leitenden Hebamme ab.

Was vielleicht seltsam anmutet, aber ein Erfahrungswert ist: Oft gibt es die Möglichkeit, als Mutter Zuzahlungen vom Staat zu erhalten, aber niemand weiß etwas davon und auch in Consultorio und Krankenhaus wird man nicht darauf hingewiesen. Momentan gibt es zum Beispiel eine monatliche Unterstützung für Mütter (zwischen 100 und 200 Euro monatlich, abhängig davon, ob man stillt, oder nicht) in Lebensmittelcoupons. Dies muss aber rechtzeitig nach der Geburt des Kindes beantragt werden. Es lohnt sich also unbedingt, schon vor der Geburt einen Termin beim nächsten CAF zu machen, um sich über aktuelle Fördermaßnahmen zu informieren, und sich bei der Beantragung unterstützen zu lassen.

Die Vorsorgeuntersuchungen, die dann im Krankenhaus mit Hebamme und Co einzuplanen sind, sind folgende:

  • kleine Vorsorgeuntersuchung bei der Hebamme mit zusätzlich Gewichtskontrolle, Blutdruck, Herztonmessung (Tracciato)
  • gesonderter Termin, um die „Cartella“, die Krankenhausakte, zusammenzustellen (hier werden alle anderen Untersuchungsergebnisse festgehalten, zusätzlich werden lange Formulare ausgefüllt. U.a. werden Blutgruppe, Rasse, Schulbildung und Beruf des Kindsvaters ermittelt)
  • Untersuchung (inkl. Ultraschall) beim Frauenarzt
  • EKG
  • umfangreicher Blut- und Urintest sowie Abstriche (muss u. U. im krankenhauseigenen Zentrum durchgeführt werden, da die Daten intern in die Gynäkologie weitergeleitet werden)
  • Termin bei einem Anästhesisten im Krankenhaus, falls Epidurale gewünscht wird (Wird dieser Beratungstermin nicht wahrgenommen, kann es sein, dass sich der bei der Geburt diensthabende Arzt weigert, eine Epiduralanästhesie durchzuführen, weil keine in nüchternem Zustand unterschriebene Einverständniserklärung vorliegt.)

EKG, Anästhesie-Termin und gynäkologische Untersuchung werden meist in einem „Day-Hospital“ zusammengefasst.

Zu den im Krankenhaus wahrzunehmenden Termine wird man direkt von der Hebamme „überwiesen“, und sie macht auch bei Bedarf direkt intern den Termin fest. Trotzdem muss man ganz regulär mit dem Schein vor dem jeweiligen Termin persönlich zum CUP gehen und ihn sich dort betästigen lassen um den Beleg dann bei der Untersuchung vorzulegen.

Wer keinen Geburtsvorbereitungskurs mitmacht, erhält von den Hebammen eine kleine Führung durch das Krankenhaus und die Liste, mit allem, was mit in die Krankenhaustasche muss. Im Normalfall ist das neben Babykleidung auch Wasser (regulär stehen Patientinnen nur bei jeder Mahlzeit je ein halber Liter zu, manche Krankenhäuser haben keine extra Flaschen zum „verschenken“), Besteck (es gibt auch Plastikbesteck im Krankenhaus, das wird aber oft nur auf Anfrage rausgerückt) und eine Chlorlösung zur Wundreinigung nach der Geburt.

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Alltägliches Gesundheitswesen

Schwangerschaft auf Italienisch (Teil 1)

Ersteinmal: Herzlichen Glückwunsch! Schwanger sein ist toll, und wie es in Italien geht, dazu in diesem Artikel. Dieser ist ein wenig länger, denn: Sooo einfach ist das hier nun wieder nicht 😉

Arztwahl: Privat oder Kassenarzt?
Die privaten Frauenärzte haben in Italien immer mehr Kundinnen, obwohl sie, ohne mit der Wimper zu zucken, bis zu 150 Euro pro Termin verlangen. Es gibt aber auch ganz normale „Kassenärzte“. Wer in Italien gemeldet ist, und sich beim ASL krankenversichert hat, kann die Frauenärzte in Anspruch nehmen, die in den „Consultorio“s arbeiten. Eigentlich hat jede Nebenstelle der ASL solch ein „Consultorio“. Hier gibt es eine Chef-Hebamme, die nicht nur die Termine der Frauenärzte koordiniert sondern auch junge oder sozial schwächere Mütter gesondert berät, oder (telefonisch) bei der Nachsorge zur Verfügung steht. Die Frauenärzte, die hier praktizieren, sind oft Gynäkologen mit hervorragendem Ruf, denen man sich ohne Zweifel anvertrauen kann. Dahingegen ist die Ausstattung dieser Kassen-Studios sehr spartanisch – ein Ultraschallgerät wird man dort nicht finden. Zur ersten Untersuchung ist die Überweisung vom Hausarzt mitzubringen.

Hausgeburten in Italien
Sein Kind zu Hause zur Welt zu bringen ist in Italien noch kein „Standard“. Die Haus-Geburtenrate liegt bei 0,2%, die, privat zu tragenden, Kosten sind mit rund 3000 Euro hoch. Häufig wird von einer Hausgeburt abgeraten, weil manche Komplikationen bei der Geburt nur im Krankenhaus abgefangen werden können, oder das schnelle Eingreifen bei Problemen mit dem gesundheitlichen Zustand des Neugeborenen durch eine Hebamme vor Ort nicht gewährleistet sei. Aber es ist auch manchen Provinzen schlichtweg nicht möglich, Hausgeburten „abzufangen“, denn es ist ist rechtlich vorgeschrieben, dass während der Geburt ein einsatzbereiter Krankenwagen vor der Tür steht, um im Falle eines Falles Mutter und/oder Kind ins Krankenhaus zu bringen. Wer sein Kind zu Hause zur Welt bringen möchte, findet auf dieser Seite hifreiche Infos dazu und weiterführende Links.

Zeitplan Vorsorgekontrollen
Das zeitliche Schema für eine normale italienische Schwangerschaft ist für deutsche Verhältnisse recht vereinnahmend:

  • Monatliche Kontrolle beim Frauenarzt (inklusive Herztöne und Blutdruck messen sowie (rigorose!) Gewichtskontrolle)
  • Monatliche Überprüfung der Blut- und Urinwerte (im Krankenhaus vorzunehmen oder in autorisierten Labors („centri convenzionati“); einmal ist die glykämische Kurve mit zwei Stunden Aufenthalt einzuplanen.
  • Drei Ultraschalluntersuchungen im Krankenhaus (rechtzeitig Termin vereinbaren!)

Ernährung und Gewichtskontrolle in Schwangerschaft
Für viele Deutsche Frauen klingt es übertrieben: Italienische Frauenärzte verbieten jede Art rohe Schinken, Wurst, Meeresfrüchte und Sushi sowie rohe Eier. Grund ist das Toxiplosmose-Virus und das häufige Antreffen nicht-industriell hergestellter Spezialitäten die eher unter Verdacht stehen, evtl. kontaminierte Zutaten zu enthalten. Wer während der Schwangerschaft zu viel zunimmt, erhält erst besorgte, dann eindringliche und schließlich böse Blicke. Die Zunahme während der ganzen Schwangerschaft darf zwischen neun und zwölf Kilo betragen, mehr nicht. Grund hierfür ist nicht nur das Diabetes-Risiko sondern auch das Wohlbefinden des Ehemannes.

Kosten
In der Schwangerschaft muß man normalerweise keine „Tickets“ bezahlen, ist „esente“ von Zuzahlungen. Manche vom Arzt verschriebenen Untersuchungen (v.a. bei den Bluttests) kosten manchmal zusätzlich.

Deutschsprachige Frauenärzte in Italien
In Südtirol dürfte jeder Gynäkologe perfekt Deutsch sprechen. Ansonsten gibt es sie laut deutscher Botschaft in Mailand, Genua, Collegno (TO), Florenz und Rom.

 

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Alltägliches Gesundheitswesen

Rom: Liste Deutsch sprechender Ärzte und Infos für Urlauber

Wer in Italien lebt, hat sicher schon die umfassende italienische Krankenversicherung. Aber was ist, wenn man (erst einmal) nur als Urlauber im Bel Paese weilt?

Kostenfreier italienischer Gesundheitsdienst bei kurzfristem Aufenthalt in Italien

Auch während kurzfristiger Aufenthalte sind die Leistungen für in Deutschland gesetzlich Krankenversicherte grundsätzlich kostenfrei. Teilweise sind jedoch Eigenbeteiligungen vorgesehen.
Die Leistungen werden durch Ärzte und Krankenhäuser erbracht, die bei den örtlichen Gesundheitsbehörden ASL (Aziende Sanitarie Locali) registriert sind und die Europäische Gesundheitskarte EHIC (European Health Insurance Card) akzeptieren. Sie rechnen dann direkt mit der deutschen Krankenkasse ab. So funktioniert es auch bei der „Guardia Medica Turistica“, an die sich Touristen wenden können.

Tipp: Im Zweifel, ob die aktuelle Behandlung mit der deutschen Versichertenkarte komplett oder teilweise abgeglichen werden kann, einfach vor der Behandlung nachfragen. Auf der Rechnung nicht nur die Kosten aufführen lassen, sondern auch, welche Behandlung(en) genau abgerechnet werden. Das kann sich auf die Höhe der Erstattung seitens der deutschen Krankenkassen positiv auswirken.

Hier eine Liste deutschsprachiger Ärzte in Rom, die der Deutschen Botschaft in Rom bekannt sind und der Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten zugestimmt haben. Stand: Januar 2020.
Für Infos über Deutsch oder Englisch sprechende Ärzte in anderen Städten, einfach vor Reiseantritt im jeweiligen Konsulat nachfragen . . .

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Gesundheitswesen Newsticker

Übersicht: Wie handhaben die Regionen das Impfgesetz?

In der Tageszeitung „La Repubblica“ ist eine Übersicht erschienen, die knapp erläutert, wie sich die unterschiedlichen Regionen Italiens bei der Umsetzung der Impfpflicht verhalten werden.
Venetien ist die einzige Region, die sich gegen das Impfgesetz stellt. In den anderen wird es mehr oder weniger strikt umgesetzt. Das unabhängig davon, wie einzelne Provinzen und Schulen sich dann den Kindern und Eltern gegenüber verhalten werden.
Hier geht es zum Artikel auf Italienisch.

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Gesundheitswesen Politik

Impfgesetz: Es wird ernst

Das neue Kindergarten- und Schuljahr steht ins Haus, und noch immer gibt es keine einheitliche Information dazu, wie das Impfgesetz nun konkret gehandhabt wird. Schmeissen die Kindergärten ungeimpfte Kids raus? Was sind die Fristen? Wie kommuniziere ich dem Kindergarten, welche Impfungen mein Kind hat, auch wenn es den ganz normalen Impfzyklus in Italien durchlaufen hat und der bereits komplett dokumentiert beim ASL vorliegt?

Meine Kinder sind geimpft. Wie läuft das jetzt in Kindergarten und Schule ab?

Wer es noch nicht getan hat, sollte nun das Schulamt vor Ort kontaktieren (bzw. das Sekretariat des Kindergartens). Bis zum 10. September muss der Impfpass des Kindes dort vorbeigebracht werden (Kopie nicht vergessen).

TIPPS: Nicht warten, bis Kindergarten oder Schule sich melden, das wird frühestens am 9. September passieren 😉
Nicht denken, dass das ASL selber mit den Schul-Behörden kommuniziert, um den Impf-Status der jeweiligen Kinder zu übermitteln. Das ist datenschutzrechtlich gar nicht erlaubt. Es müssen die Erziehungsberechtigten persönlich auflaufen, die Kopie des „librettos“ des Kindes vorbeibringen und dort unterschreiben, auf der Kopie selber, dass diese dem Stand des Originals entspricht, das in den Händen der Familie bleibt.

Für Skeptiker: Kontrollierte Einzelimpfungen möglich

Die in Italien üblichen Kombi-Dosen, die beim Impfen verabreicht werden, sind ohnehin schon umstritten, und zudem nicht für alle Altersklassen ausführlich getestet. Das Problem betrifft in erster Linie die Kinder, die nun nachgeimpft werden, um auf den gewünschten Impf-Stand zu kommen.
Wer seine Kinder (nach-)impfen lassen will, kann sie alternativ (wie bisher schon möglich) beim Kinderarzt impfen lassen. Die Impfstoffe müssen dabei kostenfrei vom ASL zur Verfügung gestellt werden, aber Engpässe sind wohl gängig, weshalb so mancher die Kosten für die Ampullen selber trägt oder auf Impfstoffe vom Ausland ausweicht.

Und wer immer noch nicht impfen will?

Hier herrscht noch ein großes Durcheinander. Zum einen behaupten manche Gruppen, dass der jeweilige Bürgermeister vor Ort nach seinem Ermessen entscheiden könne, auch ungeimpfte Kinder am Kindergarten teilnehmen zu lassen. Dann gibt es Eltern-Iniziativen, die eine „Obiezione“ gesammelt beim zuständigen Schulamt einreichen. Manche Impfverweigerer sind auch schon vom ASL vorgeladen worden, um dort impfen zu lassen bzw. Vorgespräche zu führen.

Es gibt für dieses Kindergarten- bzw. Schuljahr eine Frist bis März 2018, um sich mit ASL & Co auseinander zu setzen und sein Kind komplett impfen zu lassen. Dann spätestens droht der Ausschluss des Kindes vom Kindergarten bzw. die Geldstrafe für die Eltern. Parallel wartet man noch auf den Ausgang der Klagen von Elternverbänden vor dem Verfassungsgericht mit denen man immer noch hofft, das Gesetz abzuschaffen oder zumindest in Teilen abändern zu können.

Bis dahin empfehlen die diversen Verbände den passiven Widerstand, das Aussitzen bis zum letzten Moment. Sie empfehlen, die Termine beim ASL wahrzunehmen, viele Fragen zu stellen und vor allem nichts zu unterschreiben. Wer hier Tipps haben möchte, kann sich folgendes Video von Andrew Wakefield und Francesca Alesse auf Italienisch ansehen. Auf der Webseite der Herausgeber finden sich auch Erklärungen auf Englisch bzw eine „Acion List“.

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Alltägliches Gesundheitswesen Homeschooling

Der Kampf um die Freiheit, impfen zu dürfen

Die Entscheidung Italiens zum Impfzwang vor ein paar Wochen schlägt immer noch hohe Wellen.
Einzelne Politiker machen Werbung damit, dass ihre Regionen nicht mitspielen werden, Schulleiter wissen gar nicht, wie sie die Kontrollen organisiert kriegen sollen, und in der Zwischenzeit verkaufen sogar einige Familien ihre Häuser um ins Ausland zu gehen, und andere kämpfen weiter, um die Regierung von ihrem Vorhaben abzubringen. Auch Homeschooler sind von der Diskussion betroffen, denn zum neu eingeführten jährlichen Test muss auch das Impfbuch mitgebracht werden.

Wer seine Kinder nicht impft, muss – so das von Ministerin Lorenzini vorgelegte Dekret im Juli vom Parlament abgesegnet wird – mit Bußgeldern bis 7.500 Euro pro Schuljahr rechnen, es wird aber auch angedroht, renitenten Eltern das Sorgerecht zu entziehen!

Meine Kinder wurden beide normal in Italien geimpft, aber ich habe Freunde und Bekannte, die das nicht gemacht haben. Und es auch nicht wollen. Und bei der ganzen Diskussion ist mir eines aufgefallen: beide Familien sind vehement gegen den Impfzwang. Aber beide Familien sind nicht gegen das Impfen an sich. Sie verweigern momentan ihren Kindern einige der „obbligatorischen“ Impfungen. Aber was sie an Beweggründen anbringen, klingt so anders, als was man im Allgemeinen von „Impfgegnern“ hört. Sie stellen sich Fragen, die ich wirklich nachvollziehen kann, und auf die es wenig Antworten von offizieller Seite gibt.

Warum muss mein Kind mit drei Monaten eine Kombiimpfung inklusive Polio machen, ohne dass vorher Tests auf Unverträglichkeiten durchgeführt werden?
Warum wird eine – in ihrer Wirksamkeit höchst umstrittene – Windpockenimpfung Pflicht? Und warum wird man bei der Impfung nicht darauf hingewiesen, dass das geimpfte Kind für sechs Wochen in Quarantäne zu halten ist, da Ansteckungsgefahr besteht?
An wem wurden die Impf-Präparate eigentlich getestet?
Wieso sind die Beipackzettel der verwendeten Präparate beim ASL, wo geimpft wird, nicht einsehbar?
Warum muss ich beim Impfen unterschreiben, dass ich die Verantwortung für eventuelle Folgeschäden übernehme, aber wenn ich dasselbe vom impfenden Arzt verlange, schickt er mich nach Hause, ohne zu impfen?
Wieso ist die rechte Hand der Gesundheitsministerin kein Mediziner, sondern ein Vertreter der „Big Pharma“?
Laut Beipackzettel sind die Impfungen nur etwa 4 Jahre wirksam. Warum müssen sie dann nicht ebenso alle vier Jahre durchgeführt werden, auch von Lehrern und Hausmeistern, eben allen, die Schulen betreten und die ungeimpften Kinder angeblich in Ansteckungsgefahr bringen?
Warum ist ein ungeimpftes Kind gefährlich für die Klassenkameraden, kann aber nach Zahlung der Strafe für Nicht-Impfen normal am Unterricht teilnehmen? Sollte es nicht bei all der Panik konsequenterweise komplett vom Schulbesuch ausgeschlossen werden?
Apropos Panik: Aufgrund der „Meningite-Epidemie“, die angeblich in Italien wütet, sollen Kinder mit einem neuen Impfstoff geimpft werden. Dazu muss man sich beim ASL anmelden. Die nächsten Termine die dort erhältlich sind, sind in zwei Jahren. Was stimmt nun nicht? Dass es eine Epidemie gibt, oder das Krisen-Management?

Nun, diese Fragen der sogenannten „Impfgegner“ haben zur Folge, dass auch Eltern, die generell für das Impfen sind, sich doch wünschen, dass mehr Licht in dieses Business gebracht wird.

Interview: Eine deutsche Auswanderin zur Impfpflicht in Italien

Nadja Herkner lebt seit 2010 in Mailand und arbeitet dort als Pädagogin und Sprachtherapeutin. Ihre Tochter hat sämtliche bisher obligatorische Impfzyklen durchlaufen.
Durch ihre Arbeit mit vielen Kindern deutscher Auswanderer beschäftigt Nadja sich auch generell mit den Anliegen unserer Comunity. Und jüngst stellt sich vermehrt die Frage:

Mein Kind ist in Deutschland nicht geimpft worden. Was nun?

Nadja, was müssen Eltern ungeimpfter deutscher Kinder mit Wohnsitz in Italien nun tun?
Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht, weil Chaos herrscht und das Dekret (noch) nicht abschließend zu einem Gesetz umgewandelt wurde. In einigen Regionen werden Eltern von Schulen oder ASL angeschrieben, in anderen (wie hier in Milano) ist bisher gar nichts passiert.
Ich selber habe jede Woche mehrfach Kinder mit Pflaster am Arm in meinen Gruppen.
Ich zweifle daran, dass Eltern dabei mitgeteilt wird, dass ihre frisch Windpocken geimpften Kinder 6 Wochen ansteckend sein können…

Was ist denn eigentlich das Problem mit den italienischen Impfungen?
Meiner Ansicht nach ist das Hauptproblem des drohenden Impfzwanges die Anzahl und Willkürlichkeit der angesetzten Impfungen. Beispielsweise ist die Zahl an Komplikationen nach Pneumokokken um ein Vielfaches höher als nach Meningokokken. Erstere gehört nicht zu den Pflichtimpfungen. Desweiteren ist das Dekret nach Aussage der Gesundheitsministerin eine Antwort auf eine „Masern-Epedemie“, die es de facto nicht gibt.
Der Impfzwang umfasst außerdem Impfungen für Krankheiten, die nicht ansteckend sind, wie Tetanus sowie für weitgehend harmlose Krankheiten wie Windpocken, die sich durch ein extrem hohes Maß an Impfversagern auszeichnet und die zudem eine 6wöchige Quarantäne erfordert.
Nicht zuletzt ist die Anzahl der Impfungen (27 Impfungen in den ersten 15 Lebensmonaten) in dieser Form einzigartig. Es gibt KEINERLEI Studien zur Verträglichkeit!

Wer nun einfach Angst hat, sein Kind zu impfen, wie kommt er aus der Nummer raus?
Das ist eine gute Frage! Dabei geht es ja nicht nur um die, die Angst haben. Es geht auch um die, die 12 Pflichtimpfungen übertrieben finden, es geht um die, die die Impfungen vielleicht zum großen Teil sowieso machen wollten, aber zu einem späteren Zeitpunkt oder gegebenenfalls in Einzeldosen.
Was können die machen, die aus Ländern kommen, in denen aus gutem Grund keine Impfpflicht existiert?
Man muss sich JETZT informieren und engagieren! Sollte nächsten Monat das Gesetz in Kraft treten, ist es zu spät.
Man kann seine Meinung auf den zahlreichen Manifestationen hören lassen (8.7. in Pesaro), man kann sich auf Facebook und anderswo vernetzen, man kann an Senatoren schreiben.

Glaubst Du, dass der Impfzwang in Italien überhaupt umsetzbar ist, bei dem bürokratischen Chaos, das eh schon hier herrscht?
Ich denke, das wird schwierig, aber je nach Region ist es durchaus möglich. Sich alleine darauf zu verlassen, dass es „eh nichts wird“ halte ich aber für gefährlich.

Kann man politisch noch etwas bewegen, um den Impfzwang abzuwenden?
Wie schon vorher gesagt: vernetzt euch, erkundigt euch in den Konsulaten, schreibt den Politikern (hier Liste anfragen), geht zu den Manifestationen.
Auch im italienischen Grundgesetz gibt es ein Recht auf Unversehrtheit.

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Impfpflicht in Italien?

Wer in Italien lebt, hat in den letzten Monaten verstärkte Nachrichtenberichterstattung über „Epidemien“ wie Hirnhautentzündung und Masern im Fernsehen wahrgenommen (die Zahlen an sich waren im Vergleich zum Vorjahr alles andere als alarmierend, aber trotzem fast täglich Teil der Nachrichtensendungen). Ärzten, die sich dem Impfen gegenüber kritisch äußerten, wurde mit Berufsverbot gedroht. Nun beschloss die italienische Regierung, dass bereits ab dem neuen Schuljahr, das am 1. September 2017 beginnt, ALLGEMEINE IMPFPFLICHT bestehen soll.

Wer bei Einschreibung in Krippe und Kindergarten nicht alle 12 Pflichtimpfungen, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken vorweisen kann, erhält keinen Kindergartenplatz. Für schulpflichtige Kinder ab sechs Jahren, die nicht geimpft sind, müssen Bußgelder bis 7500 Euro bezahlt werden.

Der Gesetzesentwurf muss erst ratifiziert werden, was 60 Tage dauert. Danach könnte es Ernst werden für Impfgegner, -Skeptiker und ihre Kinder.

Momentan wird von Anwälten diverser Vereinigungen geplant, juristisch gegen das Gesetz vorzugehen, das als verfassungswidrig eingestuft wird. Die Proteste sollen bis an den europäischen Gerichtshof gerichtet werden.

Impfgegner in Italien sehen in großen Teilen kein Problem im Impfen an sich, sondern in der Methode, wie in Italien geimpft wird. Dies auch von ärtztlicher Seite aus: Über 100 italienische Ärzte haben jüngst erklärt, dass sie die Art, wie in Italien Impfungen vorgeschrieben werden, kritisch betrachten, da sie im Laufe der Jahrzehnte feststellen mussten, dass immer mehr geimpfte Kinder gesundheitlich angeschlagener zu sein scheinen, als ungeimpfte Altersgenossen (Quelle). Die Problematik sind oft sehr früh durchgeführte Mehrfach-Impfungen.

Sicher warten Impfskeptiker erst einmal ab, ob das Gesetz überhaupt so durchkommt wie geplant und wenn, ob die praktische Durchführung wirklich so funktioniert, wie vorgesehen. Letztlich ist auch die Frage, ob man mit dem Vorgehen Kinder von Hardliner-Impfgegnern nicht eventuell sogar gesellschaftlich isoliert, da diese ja einfach von der Schule genommen werden können und zuhause unterrichtet werden.

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Mutterschutz, Elternzeit, Stillpausen, Kündigungsschutz – Was steht Arbeitnehmerinnen in Italien zu?

Der obligatorische Mutterschutz („congedo di maternità“) in Italien beginnt zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin und endet drei Monate nach dem tatsächlichen Tag der Geburt. Falls das Kind früher auf die Welt kommt, werden die fehlenden Tage zum errechneten Geburtstermin angehangen.
Werdende Mütter, denen es gesundheitlich sehr gut geht, können auch das Model “ein Monat vor der Geburt und vier Monate nach der Geburt” wählen. In diesem Fall muss ein ärztliches Attest des behandelnden Arztes vorliegen.

Mutterschutz beantragen

Der Antrag wird vor Beginn des Mutterschutzes online beim INPS (Istituto Nazionale per la Previdenza Sociale, dt. Nationale Sozialversicherungsanstalt) gestellt. Neben dem Onlineantrag muss sich die werdende Mutter auch zum zuständigen INPS Büro begeben, um die vom Arzt ausgestellte Bescheinigung des errechneten Geburtstermins (im Original und in einem verschlossenen Umschlag) einzureichen. Erst dann wird der Antrag bearbeitet und die ersten zwei (bzw. der erste) Monate bewilligt.

Während des Mutterschutzes steht der Angestellten ein Mutterschutzgeld in Höhe von 80% des Bruttogehaltes zu. Dieser Betrag wird auf der Basis des letzten Monatsgehaltes vor dem Mutterschutz errechnet. Das Geld wird vom Arbeitgeber überwiesen. Er bekommt es anschliessend vom INPS erstattet.

Nach der Geburt (innerhalb von 30 Tagen) muss über das Onlinesystem das Geburtsdatum und die Daten des Kindes durchgegeben und das „certificato di assistenza al parto“, das man im Krankenhaus erhält, angehangen werden. Daraufhin werden die fehlenden drei (bzw. vier) Monate bewilligt.

Elternzeit und Elterngeld

Nach dem Mutterschutz haben Eltern in Italien die Möglichkeit „congedo parentale“ (Elternzeit) zu beantragen (bis zum 12. Geburtstag des Kindes möglich). Sowohl Mutter als auch Vater können Elternzeit beantragen. Man hat maximal ein Recht auf 10 bzw. 11 Monate (im Fall, dass der Vater mindestens drei Monate Elternzeit nimmt). Für die Aufteilung dieser Monate zwischen Mutter und Vater gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Mutter hat jedoch maximal auf sechs Monate Anspruch. Des Weiteren besteht die Möglichkeit die Elternzeit stundenweise oder auch gemeinsam zu nehmen.
Elterngeld (30% des Bruttogehaltes) gibt es für maximal sechs Monate. Anspruch auf dieses Elterngeld hat man aber nur, wenn das Kind nicht älter als sechs Jahre ist (bzw. acht Jahre, bei geringen Gehalt).
Den Antrag stellt man auch auf der Internetseite des INPS.
Falls man diesen Weg nicht wählen möchte, kann man sich auch an die Telefonhotline des INPS (Nr. 803164) oder an ein „patronato“ (Arbeitnehmerorganisation, die Arbeitnehmern in Sozialversicherungsfragen kostenlos hilft) wenden.

Mutterschutz und Elternzeit stehen der Angestellten auch bei einer Adoption oder bei einer Pflegschaft von Minderjährigen zu.

Falls eine Mutter nach dem Mutterschutz gleich die komplette Elternzeit in Anspruch nimmt und nicht noch sehr viel alten Urlaub hat, muss sie in der Regel vor dem ersten Geburtstag des Kindes wieder anfangen zu arbeiten. In dem Fall kann sie bis zum ersten Geburtstag des Kindes die „riposi per allattamento“ (Stillpausen) beantragen. Dies geschieht mit einem formlosen Antrag beim Arbeitgeber. Bei einer täglichen Arbeitszeit von sechs und mehr Stunden stehen der Arbeitnehmerin zwei Stunden am Tag zu, bei einer Arbeitszeit unter sechs Stunden ist es eine Stunde.
Diese Stillpausen werden zu 100% vom INPS bezahlt.

Eine Angestellte in Italien kann von Bekanntgabe der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes nicht gekündigt werden
(Ausnahme besteht nur in Extremfällen). Eine Mutter, die nach Ende der Elternzeit aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zu ihrem Arbeitgeber zurückkehren kann oder will, hat die Möglichkeit Arbeitslosengeld zu beantragen. Dies geht, wenn die Kündigung vor dem ersten Geburtstag des Kindes geschieht und die Mutter die Voraussetzungen für das Arbeitslosengeld erfüllt. In diesem Fall spricht man von „dimissioni per giusta causa“ (Kündigung aus berechtigtem Grund).

Zur Vertiefung der angesprochenen Themen sind die folgenden Links sehr hilfreich:
congedo di maternità/ paternità: https://www.inps.it/portale/default.aspx?itemdir=5804
congedo parentale e riposi per allattamento: https://www.inps.it/portale/default.aspx?itemdir=5885

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Das italienische Gesundheitssystem – ein Überblick

Italien bietet allen Italienern und Ausländern, die ein Anrecht haben, eine kostenlose medizinische Grundversorgung an. Das staatliche Gesundheitssystem ist der servizio sanitario nazionale, kurz SSN (seit 1978). Er wird durch Steuergeldern, Abgaben der Arbeitgeber und durch private Zuzahlungen (in Italien ticket genannt) für die jeweiligen Untersuchungen finanziert. Welche Leistungen man vom SSN erhalten kann, sind in der LEA (Livelli essenziali di assistenza) festgehalten.
Das Gesundheitsministerium erarbeitet zwar den piano sanitario nazionale. Die Ausführung, Verwaltung, Kontrolle usw. übernehmen dann aber die regionalen Regierungen. Auf örtlicher Basis wendet man sich an das ASL (azienda sanitaria locale, dt. örtliche Gesundheitsbehörde) seiner Stadt. Hier kann man neben der Beantragung einer neuen Krankenversicherungskarte (tessera sanitaria), sich impfen lassen (Pflichtimpfungen) und u.a. auch den Befreiungsantrag für die Zuzahlung der Untersuchungen stellen. Ausländer können sich hier registrieren.

Hausarztwahl und -wechsel

Um sich einen Hausarzt (medico di base) auszuwählen, muss man ebenfalls ins örtliche ASL Büro gehen. Dort liegen Listen, der in der Stadt praktizieren Haus- und Kinderärzte (pediatra) aus. Wenn man Pech hat, hat der ausgewählte Arzt aber keine Kapazität mehr, da jeder Arzt nur eine bestimmte Anzahl an Patienten behandeln darf (max. 1.500 Patienten pro Hausarzt, max. 800 Patienten pro Kinderarzt). Das Wechseln des Haus- bzw. Kinderarztes ist nicht so einfach wie in Deutschland. Man muss nämlich auch für den Wechsel zum ASL und einen Grund angeben. Der Hausarzt leitet seine Praxis alleine oder bildet mit einem anderen Arzt eine Gemeinschaftspraxis. Die Vertretung wird von einem anderen Hausarzt in der Nähe übernommen. Die Sprechstunden eines Hausarztes sind in der Regel am Nachmittag/Abend oder abwechselnd vormittags und nachmittags. Mein Hausarzt hat seine Sprechstunde täglich von 16:00 bis 19:30. Zum Terminvereinbaren, für Überweisungen und Ratschläge muss morgens angerufen werden (z.B. von 8:30 bis 9:30). In vielen Praxen geht der Arzt selbst an den Apparat, da nicht jeder Hausarzt eine Sprechstundenhilfe hat. Die Wartezeit ist beim Hausarzt nicht lange, spätestens in 48 Stunden hatte ich immer meinen Termin.
Hausbesuche werden vor allem für alte, nicht mehr mobile Menschen angeboten.

Italienische Hausarztpraxen besitzen normalerweise kaum technische Ausrüstung wie Ultraschallgeräte oder ähnliches. Des Weiteren nimmt der Hausarzt in Italien auch kein Blut ab und auch keine anderen Proben entgegen. Dafür bekommt man eine Überweisung.

Blutabnahme

Blutabnahmen und die verschiedenen Abstriche werden in den centri di prelievi genommen (in der Regel ohne Termin). Hier gibt es die öffentlichen und privaten, die z.T. jedoch mit dem öffentlichen Gesundheitssystem zusammenarbeiten. Die Öffnungszeiten sind meistens vormittags von Montag bis Freitag, zum Teil auch am Samstag. Die Ergebnisse kann man, je nachdem um was es sich handelt, nach wenigen Tagen oder nach 1,2 Wochen abholen bzw. auch online einsehen.

Zum Spezialisten

Fachärzte (medici specialisti) der verschiedenen Fachrichtungen, die für den SSN arbeiten, findet man in den poliambulatori. Diese poliambulatori sind mit großen Ärztehäuser zu vergleichen. Sie sind entweder in die Krankenhäuser integriert oder auch einzelstehend.
Gynäkologen findet man nicht nur in den poliambulatori, sondern auch in den consultori familiari (Familienzentren). Neben Gynäkologen arbeiten hier auch Psychologen und Hebammen. Diese Zentren bieten daher ein recht großes Spektrum an Hilfsangeboten an. Es gibt u.a. Geburtsvorbereitungskurse, Babymassagekurse, Gruppentreffen zu Themen wie Menopause, Pubertät usw.

Privatpraxen

Neben diesen Angeboten vom SSN gibt es natürlich auch viele Privatpraxen. Diese sind jedoch ziemlich teuer. Für eine Untersuchung zahlt man schnell Summen von 90,00 bis 140,00 Euro. Der große Vorteil der Privatärzte ist die sehr kurze Wartezeit (ein paar Tage bis 1, 2 Wochen). Es gibt aber seit ein paar Jahren auch die sogenannten “low cost” Privatzentren. Hier kostet eine erste Kontrolluntersuchung bei einem Facharzt um die 60,00 Euro. Meine Erfahrung mit einer solchen „low cost“ Behandlung ist sehr gut. Ein weiterer Vorteil von Privatärzten ist es, dass man bei der Untersuchung bzw. Kontrolle den gleichen Arzt vor sich hat. Dies ist beim öffentlichen Gesundheitssystem seltener der Fall. Darin kann man, wenn man will, aber auch etwas Positives sehen. Auf diese Weise bekommt man verschiedene Meinungen bzw. eine Bestätigung eines weiteren Arztes zu seinem gesundheitlichen Problem.
Viele Italiener wählen auch den Privatarzt, da sie sich eine bessere Behandlung erhoffen.
Ich persönlich habe aber noch keine schlechten Erfahrungen mit dem SSN gemacht. Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt und die Ärzte waren auch, ausser zwei Ausnahmen, sehr nett und hilfsbereit.

Termine und Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitssystem

Die Wartezeiten sind, wenn man mit dem SSN reserviert, aber auf alle Fälle länger. Um einen Termin bei einem Facharzt auszumachen, benötigt man eine Überweisung vom Haus- bzw. Kinderarzt. Den Termin vereinbart man, indem man die Telefonhotline (numero verde) der jeweiligen Region anruft. Man kann auch direkt vor Ort im poliambulatorio oder mittlerweile auch online seinen Termin buchen. Ein Vorteil der Telefonreservierung ist es, dass, falls in der ausgesuchten Struktur kein Termin mehr frei ist, bzw. die Wartezeit auch mal acht Monate betrifft, man einfach den nächsten freien Termin in der ganzen Provinz erfragen kann. Auf diese Weise erspart man sich lange Wartezeiten. Wartezeiten können extrem schwanken von wenigen Tagen (Mir wurde schon mal ein Termin am nächsten Tag angeboten.) bis zu mehreren Monaten, je nach Untersuchung. Meine persönliche Durchschnittswartezeit würde ich so etwa bei zwei Monaten sehen. Es lohnt sich auch nach der Terminvereinbarung noch mal bei der Hotline anzurufen, manchmal kommt es vor, dass Termine abgesagt werden und so Lücken entstehen.

Kosten

Bei den Untersuchungen mit dem SSN muss der Bürger einen Teil der Behandlung selbst bezahlen (die oben genannte Zuzahlung). Eine erste Untersuchung bei einem Facharzt kostet 28,50 Euro. Bei einem Brustultraschall wird eine Zuzahlung von 46,80 Euro fällig und bei einer Blutuntersuchung, um die Immunität auf Windpocken zu testen, zahlt man z.B. 9,40 Euro momentan.
Hier ein Link der die Kostenstruktur der Zuzahlung genauer erläutert: regione.lombardia.it
Komplett kostenlos sind die Besuche beim Hausarzt, Kinderarzt, die Pflichtimpfungen, die Pflichtuntersuchungen während der Schwangerschaft und Krankenhausaufenthalten. Ein HIV Test ist in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen kostenfrei und anonym.
Des Weiteren können sich Menschen mit einem geringen Einkommen, mit seltenen bzw. chronischen Krankheiten vom „ticket“ (Zuzahlung) befreien lassen. Kinder (unter 6 Jahren, Code E01) sind auf nationaler Ebene befreit, falls das jährliche Familieneinkommen unter 36.151,98 € brutto liegt. Neben den nationalen Vorgaben gibt es aber auch regionale. In der Lombardei sind z.B. alle Kinder mit einem dortigen Wohnsitz unter 14 Jahren (Kode E11) automatisch befreit.
Einen Teil der Kosten für Untersuchungen kann man bei der Steuererklärung (730) absetzen. Man bekommt 19% der Kosten, nach Abzug eines Selbstbehalts von 129,11 Euro, zurückerstattet.

Weitere Informationen rund um das Thema Gesundheit und Gesundheitssystem finden sie unter folgendem Link:
salute.gov.it

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ISEE – Indikator zur Einkommens- und Vermögenslage

Der ISEE (Indicatore della Situazione Economica Equivalente) ist der Indikator, der die familiäre wirtschaftliche Situation wiedergibt. Dieser Indikator muss vorgelegt werden, falls man in Italien ein Anrecht auf die günstigeren Tarife von öffentlichen Einrichtungen wie Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Universität oder aber auch z.B. Unterstützung im Pflegebereich haben möchte.

Diesen Indikator erhält man, indem man sich die Dichiarazione Sostitutiva Unica (kurz DSU) bei einem CAF, patronato oder direkt online beim INPS erstellen lässt.
Man kann diese Erklärung jederzeit präsentieren. Sie ist dann bis zum folgenden 15. Januar gültig.

Sie enthält die anagraphischen Daten aller Familienmitglieder, sowie deren Einkommen von vor zwei Jahren, sprich beim Ausfüllen der DSU 2016, muss das Einkommen von 2014 angegeben werden. Neben allen Einkommen muss auch das private Vermögen (Geld, Immobilien, Anlagen usw.) offengelegt werden. Angegeben werden muss der Stand aller Konten zum 31. Dezember des Vorjahres, sprich bei der DSU 2016 ist es der Kontostand von 2015. Seit 2015 muss neben den Kontoständen zum Jahresende auch die Jahresdurchschnittsbeträge aller Konten angeben werden. Diese erhält man von seiner Bank bzw. sind sie beim Onlinebanking einsehbar.
Des Weiteren muss mitgeteilt werden, ob man Eigentum besitzt oder zur Miete wohnt.
Eine Liste der mitzubringenden Dokumente finden Sie hier: http://www.acliservizi.com/wp-content/uploads/2014/08/Elenco_documenti_ISEE_2016_4-0.pdf

Bei der Berechnung des ISEE wird berücksichtigt, ob in der Familie Menschen mit Behinderung leben, die Anzahl der Minderjährigen und ob die Kinder unter drei Jahre alt sind.
Die DSU besteht zum Teil aus selbstangegebenen Daten (anagraphische Daten, Kontostände) und aus Daten der Datenbanken von agenzia d’entrate (Finanzamt), wie das Einkommen, oder INPS (z.B. Rente). 15 Tage nach dem Ausfüllen der DSU ist diese zum Abholen fertig.

In der Regel reicht es die DSU MINI (Formulare MB.1 und FC.1) auszufüllen, nur in besonderen Fällen müssen weitere Formulare ausgefüllt werden. In diesen Fällen erhält man nicht den ISEE ordinario, sondern ein ISEE specifico (z.B. ISEE Università, ISEE Sociosanitario).
Im Falle, dass z.B. ein Fall von Arbeitslosigkeit eintritt und man schon einen gültigen ISEE besitzt, kann man den sogenannten ISEE corrente berechnen lassen. Für diese Berechnung werden aktuellere Daten verwendet. Dieser ISEE hat eine Gültigkeit von zwei Monaten.
Weitere und tiefer ins Detail gehende Informationen sind unter folgendem Link zu finden: http://www.lavoro.gov.it/strumenti-e-servizi/ISEE/Documents/ISEE_istruzioni%20DSU.pdf