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Alltägliches Recht

Hühnerhaltung in Italien

Wer will schon ohne Hühner leben? Eben. Hier unsere Erfahrungen mit Hühnerhaltung in Italien.

Wo und wie darf man denn?

Hier findet Ihr eine Zusammenfassung der gesetzlichen Grundlagen (auf Italienisch).

Auch wenn es auf nationaler und komunaler Ebene insgesamt drei unterschiedliche Regelungen zu beachten gibt*: Letztendlich ist Euer Bürgermeister die richtige Instanz, um sicher zu sein, wie Ihr Eure Hühner halten dürft.

Faustregel: Maximal 10, mindenstens 10

In den meisten Gemeinden darf man bis zu 10 Hühner halten, und der Hühnerstall muss mindestens 10m vom nächsten Nachbarn entfernt sein.

Bevor es konkret wird, sollte man aber in der Stadtverwaltung nachfragen (nicht, dass man hinterher wieder alles abbauen und die Tiere weggeben muss). Wir haben die Beamten vor Ort gefragt, und eigentlich nur große Augen und Schulterzucken als Antwort erhalten. Denn in unserem Dorf hat fast jeder eigene Hühner. Und eine offiziell verfasste Norm scheint es in unserem Landkreis einfach nicht zu geben.

Aber es gibt eine Meldepflicht!

Gesetz ist, dass man seinen Hühnerstall auch als Privatperson beim örtlichen Gesundheitsamt (servizio veterinario dell’Azienda, USL) anmelden muss. Dazu füllt man das Formular “Richiesta di registrazione per le aziende di allevamento presso i servizi veterinari delle aziende sanitarie locali” (Art. 14 comma 1 D.Lgs 158/2006) aus. Das beinhaltet Fragen zur Person des Halters, Andresse des Hühnerstalles und Anzahl der Hühner, die man zu halten gedenkt. Auch andere Nutztiere werden so angemeldet.

Wer seinen Hühnerbestand zum Eigenbedarf anmeldet, trägt das entsprechend in das Anmeldeformular ein (“per autoconsumo”).

Ist das Formular komplett, erhält auch der Besitzer eines kleinen privaten Hühnerstalles eine Registrierungs-Nummer dafür („codice aziendale“). Wenn sich die angegebene Anzahl der Hühner ändert oder eine weitere Nutztierart dazu gesellt, muss man das melden.

Beim Hühnerstall an sich gilt: Was zementiert oder gemauert wird, muss vom Bauamt genehmigt werden. Allein schon deshalb haben wir uns für eine halbwegs mobile Option entschieden.

Zum Thema Tierwohl und dementsprechenden Mindestmaßen von Stall und Auslauf sowie deren Ausstattung haben wir keine gesetzlichen Vorgaben gefunden. Es kann aber gut sein, dass vom zuständigen Veterinäramt oder Tierschutzorganisationen entsprechend eingegriffen wird, wenn die Tiere nicht angemessen gehalten werden. Wer dazu etwas konkretes weiß, bitte unbedingt einen Kommentar da lassen 🙂

Besonderheiten bei der Hühnerhaltung in Italien?

In Deutschland gibt es eine Impfpflicht für Hühner und man muss die Anzahl seiner Hühner jedes Jahr registrieren lassen. In Italien ist das nicht so. Es gibt auch weniger Vogelgrippe bzw. Stallpflicht. Irgendwie schafft die Grippe es nicht über die Alpen. Unsere Nachbarn (Landwirte seit Generationen an diesem Fleckchen Erde) haben zumindest nie etwas von Ausgangssperre für Hühner gehört, die in Deutschland zum Bauernkalender dazu zu gehören scheint.

Alles andere scheint klar: Schatten, Schatten, Schatten, Wasser, Wasser, Wasser. Relax im Staubbad und lecker Pasta. Wobei, es gibt natürlich auch offizielles Hühnerfutter. Das heißt ganz allgemein „mangime per galline“ oder „mangime per pollame“. Meistens ist es eine Mischung aus geschreddertem Mais mit Soja oder Weizen. Oft OGM, also genmanipuliert.

Bei uns im Einkaufszentrum gibt es verschiedene Futtermischungen in 25kilo-Säcken, zum Glück auch aus regionalem Anbau und ohne OGM. Preis ist im Schnitt 0,80 Euro pro Kilo.

 

 

 

* 1. la normativa (nazionale) finalizzata al monitoraggio dello stato di salute della popolazione avicola: punto di vista veterinario; 2. la normativa (comunale) finalizzata all’igiene e sanità pubblica: punto di vista della salute umana (dei detentori stessi e di tutti i cittadini residenti nel Comune); 3.la normativa (comunale) in materia di edilizia: solo nel caso in cui siano realizzate opere in muratura o strutture (anche in legno) con dimensioni e copertura tali da costituire cubatura.

 

Quellen:
Rina&Rosella, unsere Nachbarinnen
Fronti, Unser örtlicher Fachhandel
www.tuttosullegalline.it

Von Kim Kruse

Kim ist 2006 ausgewandert und hat „hier und da“ in Italien gewohnt. Angekommen ist sie nun im Oltrepò Pavese. Sie arbeitet für eine Agentur im Bereich E-Mail und Online Marketing.

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