Presse in Italien

Presse in Italien

Dass der Journalismus in Italien in einer Krise steckt, kriegt man schnell mit, wenn man sich länger im Land befindet (siehe auch die „Rangliste der Pressefreiheit 2017“ von Reporter ohne Grenzen).

Es gibt zum einen natürlich, wie überall, sehr oberflächliche, reißerische Berichterstattung auf Bildzeitungsniveau. Vermutungen werden als Tatsache dargestellt, Hintergrundinformationen nicht geprüft, Quellen nicht angegeben. Dann gibt es auch Journalisten, die „vernünftig“ arbeiten, formal sind die Artikel in Ordnung. Aber nicht immer scheinen sie neutral und bald weiß man, welcher Journalist welches politische Lager „bedient“ oder welchem Unternehmer er „gehört“. Gute Journalisten, die zu oft zu unangenehme Dinge aufdecken, halten sich selten an der Fernsehfront.

Jeder italienische Investigativ-Journalist muss laufend mit Anzeigen rechnen. Die kostspielige Verteidigung muss finanziert werden, und zwar oft auch dann vom Journalisten selber, wenn sich im Verfahren herausgestellt hatte, dass er zu Unrecht angezeigt wurde (linkiesta).

Dabei ist es ohnehin schwer, einen vernünftigen Job zu erhalten. Die Preise, die zum Beispiel von der Lokalpresse an Freelancer pro Artikel gezahlt werden, können auch schon bei 5 Euro (ja, pro Artikel) liegen. Schwierig.

Es bleiben die Mutigen, die finanziell Unabhängigen und die Mittelmäßigen. In letzter Zeit wächst eine neue Kategorie heran, die von Fake-News lebt.

Empfehlenswert

Unter den ganz Mutigen haben wir zum Beispiel Milena Gabanelli folgen können, die mit ihrem Team das Format „Report“ für den staatlichen Sender Rai realisiert hatte. Kurz nach einer sehr interessanten, sehr mutigen Reportage zum Thema Impf-Industrie sah man sie nicht mehr im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Und irgendwie überhaupt gar nicht mehr. Dann doch wieder, durch Zufall entdeckt: Auf Facebook. In „Dataroom“ geht es als Freelancer weiter mit gut recherchiertem, unabhängigem Journalismus. Einige Beiträge finden sich auch in der „Dataroom“ – Kolumne beim Corriere della Sera. Eine Empfehlung an alle, die der rennomierten und erfahrenen Investigativ-Journalistin weiter folgen möchten.

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