Presse in Italien

Dass der Journalismus in Italien in einer Krise steckt, kriegt man schnell mit, wenn man sich länger im Land befindet (siehe auch die „Rangliste der Pressefreiheit 2017“ von Reporter ohne Grenzen). Jeder italienische Investigativ-Journalist muss laufend mit Anzeigen rechnen. Die kostspielige Verteidigung muss finanziert werden, und zwar oft auch dann vom Journalisten selber, wenn sich im Verfahren herausgestellt hatte, dass er zu Unrecht angezeigt wurde (linkiesta). Dabei ist es ohnehin schwer, einen vernünftigen Job zu erhalten. Die Preise, die zum Beispiel von der Lokalpresse an Freelancer pro Artikel gezahlt werden, können auch schon bei 5 Euro (ja, pro Artikel) liegen. Schwierig.

Es bleiben die Mutigen, die finanziell Unabhängigen und die Mittelmäßigen.

Unter den Mutigen haben wir zum Beispiel Milena Gabanelli folgen können, die mit ihrem Team das Format „Report“ für den staatlichen Sender Rai realisiert hatte. Kurz nach einer sehr interessanten, sehr mutigen Reportage zum Thema Impf-Industrie sah man sie nicht mehr im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Und irgendwie überhaupt gar nicht mehr. Dann doch wieder, durch Zufall entdeckt: Auf Facebook. In „Dataroom“ geht es als Freelancer weiter mit gut recherchiertem, unabhängigem Journalismus. Einige Beiträge finden sich auch in der „Dataroom“ – Kolumne beim Corriere della Sera.
Update: Seit dem Regierungswechsel sieht man die Reporterin auch wieder im staatlichen Fernsehen Rai3.

Ein weiterer mutiger Journalist ist Marco Travaglio. Er war zu „Berlusconi-Zeiten“ häufig im TV und galt als sein schärfster Kritiker. Danach wurde es ruhiger um ihn. Seit 2015 ist er Chef des Fatto Quotidiano. Außerdem hat er seit Jahren einen festen Platz im Internationalen Festival des Journalismus: Die Aufzeichnung der diesjährigen Rede „un anno di balle“ ist wirklich empfehlenswert für alle, die die Art und Weise verstehen wollen, wie in Italien die öffentliche Meinung gelenkt wird.

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