Natürlich konnten auch wir es nicht lassen, uns ein schönes, „preisgünstiges“ Haus auf dem Land zu kaufen. Preisgünstig ist dabei aber ein dehnbarer Begriff.
Wenn Dir in Italien ein bezahlbares Haus angeboten wird, ist es entweder erdebeben- oder erdrutschgefährdet, aufwendig in der Haltung oder irgendetwas anderes. Sehr selten macht man ein echtes Schnäppchen. Und ja: Alles anderslautende, das Dir in Bars oder sonst erzählt wird, ist Seemannsgarn. Mein Rat: Halte Dir tapfer die Ohren zu! Hier kommt eine ehrliche Aufzählung der Fallstricke, mit denen ich in 20 Jahren Italien selber zu tun hatte.
Problem 1: Haus in Ordnung aber nicht katasterkonform
Bis 2022 wurde der offizielle ISTAT/CRESME-Indikator „Indice di abusivismo edilizio“ geführt. Der Index maß, wie viele illegale Wohnungen pro Jahr im Verhältnis zu den von den Gemeinden genehmigten neuen Wohnungen gebaut werden. Das sind den Behörden bekannte Schwarz-Neubauten. Pro Jahr kam man immer rund auf 15 – 20%. Das zeigt vielleicht schon, wohin die Reise im Thema geht: Es ist so dermaßen wahrscheinlich, dass ein Haus in Italien im Laufe der Zeit An- Um-und Zubauten erfahren hat, die nicht gesetzeskonform gelaufen sind, dass man gar nicht genug vor Angst zittern kann, wenn man sich Eigentum zulegt. Wir haben unser Haus selber mit den in der Gemeinde vorhandenen Bauplänen überprüft und natürlich den Kauf notariell abgewickelt. Aber zack – zwei Fallstricke haben wir in den letzten Jahren festgestellt:
Als wir fröhlich die Waschküche in ein Appartment umbauen wollten, fehlten uns 10 Zentimeter Mindesthöhe des Raumes. Und als wir die Mansarde mit Hilfe des berühmten Bonus 110 umbauen wollten, hatten wir plötzlich ein Badezimmerfenster mehr im Haus, als uns bewußt war. Trotz aller Kontrollen. Kostenpunkt der Nachkatastierung (erst Geometra beauftragen, offiziell nachzumessen, und dann zum Amt) nur rund 2000 Euro. Wir überlegen noch, der Bonus ist eh erstmal vorbei . . .
Problem 2: Offene oder versteckte Mängel
Unser Haus liegt in den Weinbergen und ja, wo Wein wächst gibt es Lehm, gibt es viel Lehm auch unter dem Lehm und gibt es, je nach Regenmenge oder -mangel …. Erdrutsche. Häuser sacken hier immer ab, je nach Trockenheit, es sei denn, sie sind an Fels und Stein befestigt.
Bei uns wären das 12 Meter lange Betonpfeiler, die rund um das Haus in den irgendwo unten liegenden Felsen angebracht und dann mit dem Haus verknüpft werden müssten, um dann dafür zu sorgen, dass nichts mehr rutscht. Oder man kann Harz unter das Haus pumpen, und die schon abgesackten Teile wieder hoch stemmen. Ich erspare Euch die Kostenvoranschläge, auch weil ich fürchte, sie sind im (offiziel und legal gebauten!) Kamin gelandet.
Und ja. Das Wasser und sein Abfluss. Wir hängen am Hang, was uns immerhin noch „oben“ hält. Wenn es regnet, regnet es oben am Haus und unten am Haus. Das, was oben am Haus aufschlägt wird, dachten wir, über die vorhandenen Fallrohre und Regenrinnen in die Kanalisation geführt. Nun. Nicht ganz. Ein Teil sammelte sich, über Jahrzehnte unbemerkt, in einer Blase unter dem Wohnzimmer. Das weiß ich, weil wir irgendwann mal den Gehweg unten am Haus abmachen ließen (zu viele Risse) und der Bauleiter dann einen Wasserfall unter dem Wohnzimmer entdeckt hatte, der zum Glück nach 48 Stunden versiegte. Rohr dran Richtung Kanalisation und fertig. Der nächste Regen kann kommen. Waren nur 500 Euro extra. Diesmal. Die nun immer tieferen Risse in den Bodenfliesen im Wohnzimmer ignorieren wir vorläufig.
Problem 3: Schnell da, aber dann …
Wer nur ein kleines Badezimmer renovieren lassen möchte, und da auch selber viele kreative Ideen hat, könnte versucht sein, dies ohne Architekt oder Bauleiter abzuwickeln. Einfach bei verschiedenen Maurern und „idraulici“ Kostenvoranschläge einholen, das gewünschte Material selber kostengünstig besorgen, und dann geht es mit den ausgewählten Handwerkern zum vereinbarten Termin los.
Klingt super, bei uns hat es nicht geklappt. Die Maurer waren zwar da zu Baubeginn. Und sie haben auch angefangen. Aber dann so richtig die Sache zu Ende bringen? Nein, da kamen der Firma dann andauernd andere Termine dazwischen. Ganz dringende Sachen.
Eine Baustelle kann also schnell beginnen und dann erst einmal liegen bleiben. Es sei denn, man geht den Maurern richtig auf den Senkel mit dauerndem hinterhertelefonieren oder man hat – unsympatisch – vertraglich eine Preisreduktion bei zu später Abgabe festgelegt. Oder, inzwischen mein „Go-To“-Prozess: Man investiert in einen Geometra oder gar Architekten, der alle Arbeiten koordiniert und selber mit den Firmen streitet, bis das Projekt dann termingerecht fertig ist. „Chiave in mano“. Es kostet wesentlich mehr Geld, das ist wahr. Aber was helfen zweitausend Euro Ersparnis, wenn man dann sechs Jahre, wie bei uns, auf die Fertigstellung eines 4qm-Raumes warten muss?
Fazit: Kaufe Dir in Italien nur ein renovierungsbedürftiges Haus, wenn Du Handwerker bist, Leibeigene hast, oder eine Firma findest, die Dir alles teuer und schlüsselfertig samt aller nötigen Zertifikate übergibt. Oder Du bist komplett Zen. Früher oder später. Das geht auch.







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