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Alltägliches Institutionen Newsticker

Neu: 800 Euro Prämie „bonus mamma domani“

Seit dem 4. Mai kann der „bonus mamma domani“ online beim INPS beantragt werden. Ausgezahlt werden einmalig 800 Euro an Frauen die in 2017 mindestens im achten Monat schwanger sind oder ein Kind zur Welt gebracht, adoptiert oder in Pflege genommen haben. Diese Einmalzahlung ist nicht einkommensteuerpflichtig. Die Antragstellerin muss einen Wohnsitz (residenza) in Italien haben.

Wann und wie beantragen?

WANN: Beantragt werden kann ab dem Ende des siebten Schwangerschaftsmonats und bis zum ersten Geburtstag des Kindes.
WIE: Die Antragstellung folgt normalerweise online beim INPS mit der einschlägigen PIN, man kann aber auch beim INPS anrufen oder sich an ein Patronat wenden.

Welche Unterlagen sind vorzulegen?

Bescheinigung über die Schwangerschaft vom Frauenarzt (erhält frau bei ihrem Frauenarzt in geschlossenem Briefumschlag mit dem Text „Documentazione domanda di Premio alla nascita – certificazione medico sanitaria“ und wird dem INPS im Regelfall persönlich von ihr ausgehändigt) oder, wenn das Kind schon geboren wurde, die entsprechende Erklärung (autocertificazione) mit dessen Steuernummer (codice fiscale).

Die Unterlagen, die das INPS benötigt, werden immer nach erfolgter Antragstellung (online) mit der Vorgangsnummer persönlich beim INPS vor Ort abgegeben. Die Schalterbeamten des INPS helfen nicht bei der Antragstellung selber.

Wie wird die Prämie ausgezahlt?

Das Geld wird im Normalfall auf das angegebene Bankkonto überwiesen oder dem Postsparbuch der Antragstellerin gutgeschrieben. Ebenfalls genutzt werden kann die in Italien häufig verwendete carta prepagata (mit IBAN).

Quelle und weitere Infos: INPS

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Homeschooling Newsticker

Tipp: Rechnen lernen die Kinder im Supermarkt, Erdkunde am Ätna

Homeschooling ist in Italien legal, und die Bewegung weiter am wachsen. Eine der Haupt-Protagonisten der sogenannten „Unschooler“ oder „Freilerner“ ist Erika Di Martino, die von „Der Welt“ interviewt wurde. Das Interview auf Deutsch findet Ihr auf bananenrepublik.org. Viel Spass beim Lesen!

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Alltägliches Institutionen Schule

Sekundarstufe II (scuola secondaria di II grado)

Im zweiten Schulzyklus besuchen die Schüler eine scuola secondaria di II grado (veraltet scuola superiore).
Nach dem Bestehen des ersten esame di stato stehen die Schüler vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Im zweiten Schulzyklus stehen ihnen verschiedene Wege offen. Bei der Entscheidungsfindung kann folgende Seite sehr hilfreich sein: www.orientamentoistruzione.it.

Das Anmelden für eine scuola secondaria di II grado erfolgt wie bei der Grundschule und Sekundarstufe I online unter folgendem Link www.istruzione.it (im Januar/Februar).

Zum einen kann man ein liceo (Gymnasium) besuchen. Hier hat man die Wahl zwischen sechs verschiedenen :
liceo artistico (Schwerpunkt: Design, Graphik, Bühnenbild, Architektur, Multimedia, bildende Kunst)
liceo classico (Schwerpunkt: klassische Kulturen, Latein, Griechisch)
liceo delle scienze umane (Schwerpunkt: Pädagogik, Soziologie, Psychologie)
liceo linguistico (Schwerpunkt: Fremdsprachen)
liceo musicale e coreutico (Schwerpunkt: Musik und Tanz)
liceo scientifico (Schwerpunkt: Mathematik, Physik, Naturwissenschaften)

Die Zeit am liceo ist in drei Abschnitte untergliedert (2x zwei Jahre und 1x ein Jahr). Abgesehen von ein paar Ausnahmen haben die Schüler im ersten Abschnitt 27 Wochenstunden und in den beiden folgenden 30 Wochenstunden. Am Ende des fünften Jahres wird das zweite esame di stato (veraltet: esame di maturità, dt. Abitur) abgelegt. Mit dem diploma di istruzione liceale kann man sich an einer Universität einschreiben.

Neben den licei gibt es die istituti tecnici (Fachoberschulen). Diese praxisnahen Schulen sind in zwei Sektoren und elf Richtungen untergliedert.

Istituto Tecnico Tecnologico (technologische Fachoberschule)
Agraria, Agroalimentare e Agroindustria (Agrawissenschaft, Agra- und Ernährungswissenschaft, Agraindustrie)
Informatica e Telecomunicazioni (Informatik und Telekommunikation)
Grafica e Comunicazione (Grafik und Kommunikation)
Chimica, Materiali e Biotecnologie (Chemie, Werkstoffkunde, Biotechnologie)
Sistema moda (Mode)
Trasporti e Logistica (Transport und Logistik)
Costruzioni, Ambiente e Territorio (Bauwesen, Umwelt und Raumplanung)
Meccanica, Meccatronica ed Energia (Mechanik, Mechatronik, Energie)
Elettronica ed Elettrotecnica (Elektronik und Elektrotechnik)

Istituto Tecnico Economico (wirtschaftliche Fachoberschule)
Amministrazione, Finanza e Marketing (Betriebswirtschaft)
Turismo (Tourismus)

Die fünfjährige Ausbildung an den Fachoberschulen ist, wie die an den Gymnasien, in drei Abschnitte aufgeteilt (2x zwei Jahre und 1x ein Jahr). Der erste Abschnitt gibt den Schülern ein allgemeines Basiswissen. In den folgenden zwei Abschnitten wird hingegen verstärkt das jeweilige Fachwissen gelehrt. Die Zahl der Unterrichtsstunden beträgt 32 (60 Minuten) in der Woche. Am Ende wird auch hier das esame di stato abgelegt. Die Schüler erhalten dann das diploma di istruzione tecnica. Anschließend kann man eine Universität, einen weiterführenden Kurs (corsi dell’istruzione (e formazione) tecnica superiore, ITS und IFTS) besuchen oder direkt arbeiten.

Des Weiteren gibt es die istituti professionali (Berufsschulen). Auch dieser Schultyp hat zwei Sektoren und sechs Richtungen:

settore servizi (Sektor der Dienstleistungen)
Servizi per l’enogastronomia e l’ospitalità alberghiera (Gastronomie und Hotellerie)
Servizi socio-sanitari (Soziales und Gesundheit)
Servizi commerciali (Handel)
Servizi per l’agricoltura e lo sviluppo rurale (Landwirtschaft und ländliche Entwicklung)

settore industriale e artigianale (Sektor der Industrie und des Handwerks)
Produzioni industriali e artigianali (industrielle und handwerkliche Produktion)
Manutenzione e assistenza tecnica (technische Wartung und Assistenz)

Die Berufsschulen sind ebenfalls in drei Abschnitte (2x zwei Jahre und 1x ein Jahr) aufgeteilt. Die Wochenstundenzahl beträgt 32 (60 Minuten). Nach dem esame di stato erhält man sein diploma di istruzione professionale. Mit diesem Abschluss kann eine Universität oder ein corso dell’istruzione (e formazione) tecnica superiore (ITS und IFTS) besucht werden bzw. vor allem ins Berufsleben eingestiegen werden.

Um dieses Thema zu vertiefen empfehle ich die folgenden Links:
www.istruzione.it
archivio.pubblica.istruzione.it
www.istruzione.it/esame_di_stato

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Alltägliches Institutionen Schule

Grundschule und Sekundarstufe I

Nach der dreijährigen Kindergartenzeit (von 3 bis 6 Jahren), die in Italien nicht obligatorisch ist, fängt die Schulzeit an.
Der erste Schulzyklus (primo ciclo di istruzione) ist in zwei Abschnitte untergliedert:
Grundschule (scuola primaria, oder veraltet, aber noch in aller Munde scuola elementare)
Sekundarstufe I (scuola secondaria di primo grado, oder veraltet, aber auch noch in aller Munde scuola media).

Die Grundschule

Die Grundschulzeit, die fünf Jahre geht, beginnen Kinder in Italien mit sechs bzw. mit noch fünf Jahren. Der Stichtag ist der 31. Dezember. Kinder, die bis zum 30. April des folgenden Jahres sechs Jahre alt werden, können ebenfalls auf fakultativer Basis angemeldet werden.

Welche Schule?
Es gibt staatliche (kostenlos) und private Grundschulen, z.B. katholische Schulen, Montessori Schulen, Waldorfschulen und internationale Schulen.
Um die richtige Schule für seinen Nachwuchs zu finden, sollte man das Angebot der Open Days wahrnehmen. Hier kann man nach einer Präsentation und einem Schulrundgang auch direkt mit Lehrern sprechen. Diese Tage der offenen Tür finden in der Regel im Januar statt. Auch die Internetseiten der Schulen können schon einige Fragen beantworten.
Jede Schule hat einen eigenen P.T.O.F. (Piano triennale dell’offerta formativa). Eltern können sich anhand dieses dreijährigen Bildungsplanes über die Schule im Allgemeinen, über das Lehrangebot, die Ziele und Projekte informieren.

Die Schulanmeldung
Die Anmeldung für die staatlichen Grundschulen erfolgt online unter folgendem Link www.istruzione.it.
Über den Zeitraum der Anmeldung informiert das Ministerium für Bildung, Universität und Forschung (Ministero dell’Istruzione, dell’Università e della Ricerca, kurz MIUR) mit Hilfe von Fernsehspots, Aushängen und Infoblättern.
Für das Schuljahr 2017 kann man seine Kinder vom 16.01.2017 bis zum 06.02.2017 anmelden.
Um sein Kind an einer privaten Schule einzuschreiben, muss man sich direkt bei der Schule über die Vorgehensweise der Anmeldung informieren.

Die Unterrichtsfächer
Es werden folgende Schulfächer unterrichtet:
lingua italiana (Italienisch)
matematica (Mathematik)
educazione fisica (Sport)
arte ed immagine (Kunst)
geografia (Geographie)
storia (Geschichte)
musica (Musik)
scienze (Wissenschaft)
tecnologia ed informatica (Technologie und Informatik)
religione cattolica (katholische Religion)/ attività alternative (alternative Aktivitäten)
lingua inglese (Englisch) oder Italienisch in deutschsprachigen Schulen in Südtirol

Wieviel Stunden?

Für die Grundschule gibt es verschiedene Modelle was die Unterrichtsstunden betrifft. Man kann zwischen 24, 27, 30 bzw. 40 Stunden wählen.
Aufgepasst, viele Schulen bieten nicht alle Stundenvarianten an!
Für viele Kinder ist die Ganztagsschule/ tempo pieno (40 Stunden, 10 Stunden davon sind Mensa/Pause) Realität.
Der Tagesablauf in der Grundschule (staatliche Ganztagsschule), in die mein Kind dieses Jahr kommt, sieht wie folgt aus:
8:30 Unterrichtsbeginn
10:30-10:45 Pause
12:30-14:30 Mittagessen und Pause
16:30 Schulschluss

Des Weiteren gibt es eine Randbetreuung (pre e post orario) am Morgen und am Nachmittag (7:30-8:25 und 16:30-18:00). Diese Betreuung übernimmt eine Kooperative und gehört somit nicht zur Schulzeit. In unserer Stadt sind die Kosten für die Randbetreuung folgende: 92,00 Euro im Jahr für die morgendliche Betreuung und 137,00 Euro jährlich für die am Nachmittag.
Des Weiteren bieten viele Städte auch einen Busservice an.
In der Regel findet der Unterricht von Montag bis Freitag statt. Es gibt jedoch auch Schulen, die die Stunden auf sechs Tage verteilen. In diesen Fällen gehen die Kinder auch am Samstag in die Schule.

Mensa
Das Mittagessen wird in der Regel von der Stadt organisiert und von einem Catering zubereitet. Das warme Mittagessen, das aus zwei Gängen plus Obst oder Nachtisch besteht, kostet je nach Stadt unterschiedlich viel. In unserer Stadt (die im Vergleich zu anderen recht teuer ist) kostet das Mittagessen pro Tag zwischen 2,00 Euro und 6,00 Euro je nach Einkommens- und Vermögenslage der Familie. Um nicht den Höchstbetrag zahlen zu müssen, muss man eine Kopie des aktuellen ISEE Bescheids (siehe Artikel) im Bürgerbüro abgeben.

Kinder, die die Ganztagsschule besuchen, haben in der Regel keine Hausaufgaben unter der Woche. Für das Wochenende hingegen gibt es ein paar Aufgaben zu lösen.

Die Kinder werden in der Regel von zwei bis vier Lehrern unterrichtet (ein Lehrer für Italienisch plus weitere Fächer/ ein Lehrer für Mathematik plus weitere Fächer/ ein Religionslehrer/ ein Englischlehrer). Kinder mit Handicap haben oft eine/n insegnante di sostegno (Förderlehrer/in) für eine gewisse Stundenzahl in der Woche an ihrer Seite, je nach Grad der Behinderung.
Pro Grundschulklasse sind es zwischen 15 und maximal 26 Schüler. Falls eines der Kinder eine Behinderung hat dürfen nur maximal 20 Kinder in einer Klasse sein.


Sekundarstufe I

Die Sekundarstufe I schliesst sich an die Grundschule an und geht drei Jahre. Sie schliesst den ersten Schulzyklus ab.
Das Anmelden für eine scuola secondaria di I grado erfolgt wie bei der Grundschule online unter folgendem Link www.istruzione.it (im Januar/Februar).

In der Sekundarstufe I kommt eine weitere Fremdsprache hinzu.
In diesem Abschnitt der Schullaufbahn sind 30 Unterrichtsstunden Pflicht. Je nach Schule können noch fakultative Stunden dazukommen. Zum Teil gibt es auch hier das Ganztagsmodell. Unsere scuola secondaria di I grado bietet 30 Unterrichtsstunden bzw. 32 für den musikalischen Zweig an.

In der Regel sind der staatliche Kindergarten, die Grundschule und die Sekundarstufe I in einem integrierten Gesamtschulzentrum (istituto comprensivo) zusammengefasst.

Am Ende der drei Jahre findet das erst esame di stato (staatliche Prüfung) statt. Mit dem Bestehen dieser Abschlussprüfung ist der Weg frei für den zweiten Schulzyklus.

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Alltägliches Institutionen

Mit dem Auto nach Italien auswandern

Wer mit seinem Auto nach Italien zieht, muss es  nach spätestens sechs Monaten beim örtlichen Straßenverkehrsamt (Motorizzazione civile, UMC) anmelden und in das Pubblico Registro Automobilistico (PRA) eintragen lassen. Das nächste Straßenverkehrsamt findet sich in dieser Übersicht.

Zur Anmeldung mitzubringen sind (mit beglaubigter Übersetzung)

  1. Zulassungsbescheinigung (carta di circolazione)
  2. Kopie des COC (scheda tecnica)
  3. Antrag für die Ersteintragung beim PRA (NP-2C), vom Antragsteller unterzeichnet
  4. Kaufvertrag
  5. Antrag für die Zulassung eines Importfahrzeuges (modulo TT 2119)

Ist der deutsche TÜV abgelaufen, muss das Fahrzeug diesen in Italien nachholen. Falls die Ausfuhrkennzeichen bzw. Kurzkennzeichen noch gültig sind, so müssen sie bei der Zulassung abgegeben werden.

Wieviel kostet das Umschreiben?

Kalkulieren muss man mindestens
80 Eur Zulassungsgebühren
151 Eur Landesumschreibungssteuer IPT
59 Eur PRA Gebühren
100 Eur Übersetzungskosten

Aus dem Nähkästchen . . .

Bislang habe ich noch keinen deutschen Auswanderer in Italien kennengelernt, bei dem das Anmelden seines deutschen Fahrzeugs problemlos geklappt hat. Manchmal aufgrund der Inkompetenz von Schalterbeamten, oder weil Übersetzungen nicht gereicht haben, sondern auch die Reihenfolge von Daten (im COC) aus unerfindlichen Gründen angepasst werden musste, etc.

Viele Deutsche, die in Italien leben und einen Wohnsitz in Deutschland behalten haben, fahren deshalb auch nach Jahren noch mit deutschem Kennzeichen (und deutscher KFZ-Versicherung) Auto, in der Hoffnung, nicht bei einer Polizeikontrolle aufzufliegen. Zum TÜV muss man dabei nicht unbedingt regelmäßig nach Deutschland fahren, den der Versicherungsschutz bleibt auch nach dessen Ablauf bestehen.

Es gibt noch eine Alternative, das Auto rechtsmäßig und ohne Streß umzumelden: Zahlreiche Versicherungsbüros und Büros des italienischen Pendants zum ADAC, dem ACI, übernehmen die behördlichen Angelegenheiten, was aber auch schnell das dreifache dessen kosten kann, was man bezahlt, wenn man alles selber erledigt.

Quellen:
http://www.aci.it (auf Italienisch)
http://www.provinz.bz.it (auf Deutsch, für Südtirol)

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Institutionen

Ankommen in Italien: Sich anmelden

Um sich offiziell in Italien anmelden zu können, benötigt man als Ausländer nicht nur den Mietvertrag.
Der Wohnsitzwechsel muss innerhalb von 20 Tagen nach dem Umzug persönlich beim zuständigen Einwohnermeldeamt (Ufficio Anagrafe) erklärt werden.
Bei der Anmeldung muss die (deutsche) Herkunftsgemeinde angeben werden und im Falle einer Lebens-oder Wohngemeinschaft der Name der Person, die bereits in der Wohnung lebt.

Was man dabei haben sollte …

Mitzubringen sind der deutsche Reisepass oder Personalausweis und die italienische Steuernummer. In der Regel werden, abhängig vom Aufenthaltszweck folgende weitere Unterlagen gefordert:

  • Bestätigung über die ausgeübte Arbeitstätigkeit
  • Wohnungsnachweis (z.B. Mietvertrag, Rechnung der Müllabfuhr)
  • Bescheinigung über die Zusammensetzung der Familie (certificato di stato di famiglia)
  • Einschreibebestätigung einer öffentlichen oder staatlich anerkannten privaten Bildungseinrichtung
  • Bestätigung über den Abschluss einer Krankenversicherung, welche die Gesundheitskosten abdeckt (für Nicht-Erwerbstätige)
  • Bestätigung über die Verfügbarkeit von ausreichend Geldmitteln für den Aufenthalt für sich selbst und die Familienangehörigen

Genaueres erfährt man im jeweiligen Einwohnermeldeamt.

Abschließende polizeiliche Kontrolle

Einige Tage nach der Beantragung der Residenza im Einwohnermeldeamt wird ein Polizist in der angegebenen Wohnung vorbei kommen um zu kontrollieren, dass der Antragsteller auch dort wohnt. Dabei wird ein letztes Formular ausgefüllt und von beiden Parteien unterschrieben. Wer somit die italienische Residenza innehat, kann sich bei der kostenlosen italienischen Krankenversicherung anmelden.

Tipp: Wer nachweisen kann, schon mindestens fünf Jahre in Italien zu leben, kann im örtlichen Anwohnermeldeamt die „residenza permanente“ beantragen und sich so die Behördengänge sparen die man als Nicht-Italiener zum Beispiel zum regelmäßigen Erneuern des Krankenversicherungsschutzes leisten muss.

Hier der Link zu vielen nützlichen Informationen vom Generalkonsulat für deutsche Staatsangehörige, die sich in Italien niederlassen wollen.

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Alltägliches Institutionen Politik

La carta d’identità – der italienische Personalausweis

Wer als Deutscher in Italien lebt und auch seinen Wohnsitz dort angemeldet hat, kann den italienischen Personalausweis (carta d’identità) beantragen. Wichtig ist zu beachten, dass der Personalausweis in diesem Fall nur auf italienischem Gebiet seine Gültigkeit hat. Ausserhalb Italiens muss man als deutscher Staatsbürger ein deutsches Ausweisdokument (Personalausweis, Reisepass, Kinderreisepass) zur Identifikation vorweisen können. Also achtet bitte auch auf das Ablaufdatum des deutschen Passes!

Um die carta d’identità zu beantragen muss man sich an das Einwohnermeldeamt (ufficio anagrafe) seiner Stadt wenden.
Zum Beantragen des Ausweises müssen drei aktuelle und gleiche Passfotos mitgebracht werden. Des Weiteren muss ein Ausweisdokument (Personalausweis, Reisepass, Kinderreisepass) vorgelegt werden. Der Ausweis wird sofort ausgestellt.
Bei Erwachsenen hat er eine Gültigkeit von 10 Jahren. Die Personalausweise von Kindern haben je nach Alter unterschiedliche Laufzeiten:
0 bis 3 Jahre: 3 Jahre
3 bis 18 Jahre: 5 Jahre
Beim Beantragen des Ausweises für ein Kind müssen beide Eltern anwesend sein und unterschreiben.
Bei Kindern bis zum 14. Geburtstag stehen auf der Rückseite des Ausweises die Namen der Eltern bzw. der Erziehungsberechtigten.
Bei einem Wohnsitzwechsel ist es nicht notwendig, den Ausweis zu aktualisieren bzw. neu ausstellen zu lassen.
Die Kosten für die Ausstellung eines Personalausweises betragen 5,42 Euro.
Im Falle von Verlust/ Diebstahl muss neben den Fotos und einem anderen Ausweisdokument (bzw. Zeugen) auch das Original und eine Fotokopie der Anzeige bei der Polizei vorlegt werden. Die Kosten betragen hier 10,58 Euro.

Im Laufe des Jahres 2017 wird nach und nach der elektronische Personalausweis (Der jetzige ist aus Papier) eingeführt.
Dieser wird nicht nur ein einfaches Ausweisdokument sein, sondern es werden bzw. können weitere wichtige Informationen gespeichert werden, wie der Fingerabdruck und die Zustimmung zur Organspende. In Zukunft soll es auf dem Mikrochip auch Platz für weitere Dokumente wie die Krankenversicherungskarte (tessera sanitaria) und die Wahlkarte (tessera elettorale) geben.
Der neue Personalausweis wird ca. 22,00 Euro kosten.

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Alltägliches Institutionen Schule

Das italienische Schulsystem – Ein Überblick

Der Kindergarten (scuola d infanzia), der nicht obligatorisch ist, geht drei Jahre lang. (Alter: drei bis sechs Jahre). Es gibt Kindergärten, in denen die Kinder anziehen dürfen, was sie möchten, meistens müssen aber von den Eltern die typischen Kittelschürzen gekauft werden.

Die Grundschule (scuola primaria) dauert in Italien fünf Jahre. Anschließend folgt die scuola secondaria di primo grado ( Sekundarstufe I). Genaueres zu diesem ersten Schulzyklus wurde hier zusammengefaßt.

Danach können die Schüler im zweiten Schulzyklus zwischen den licei (Gymnasien), istituti tecnici (Fachoberschulen) und den istituti professionali (Berufsschulen) wählen, die jeweils nach 5 Jahren mit dem zentralen Abitur (esame di stato) abschließen. Hier Details dazu.

Um an der weiterführenden Schule mit der gewünschten Fachrichtung „studieren“ zu können, nehmen viele Schüler lange Fahrtzeiten in Kauf, denn Wenige haben das Glück, die passende Schule am eigenen Wohnort zu haben. Auf dieser Seite des Schulministeriums kann man das nächste Institut finden.

Das italienische Kultusministerium geht von einer zehnjährige „Bildungspflicht“ (von 6 bis 16 Jahren) aus (siehe Link).

Und bei Behinderung?

Für behinderte Kinder wird eine Integration in die normalen Schulen geboten, und man kann einen Hilfslehrer (insegnante di sostegno) beim Sozialamt beantragen, wenn das Kind während des Unterrichts eine eigene Betreuungsperson benötigt. Mehr zum Thema Inklusion hier.

Deutsche Schulen in Italien

In Mailand, Rom und Genua können Deutsche Schulen besucht werden, die auch gerne von italienischen Familien genutzt werden. Sie sind zwar von Deutschland aus teilfinanziert, aber als private Schulen dennoch nicht ganz billig. Im Jahr fallen je nach Schule 3.500 bis 4.500 Euro an. Beim Goethe-Institut gibt es eine Übersicht dazu.

Alternativ: Homeschooling

Die italienische Verfassung sieht keine allgemeine Schulpflicht vor, so dass Kinder zuhause unterrichtet werden können. Offizielle Zahlen gibt es wohl noch nicht, aber über 1.000 Familien sollen Ihre Kinder inzwischen von der Schule genommen oder nie dort angemeldet haben. Wer sich dafür interessiert, seine Kinder in Italien zu Hause zuhause zu unterrichten, kann hier etwas mehr zum Thema erfahren.
… und wer deutsches Lehrmaterial für seine Kinder sucht, kann es bei der „Auslandsschule“ des ILS kaufen.

Quellen:
www.istruzione.it
www.goethe.de

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Jobangebot Schule

(Grundschul-) LehrerIn für freie Schule in Toskana gesucht

Für eine freie, demokratische (Grund-)Schule in Montalcino in der Provinz von Siena wird eine (gut italienisch sprechende) LehrerIn gesucht.
Das Schulprojekt ist recht neu und wird privat organisiert. Die Kinder in der Grundschule sind momentan 11  (von 6 Jahre Bis 10 Jahre) in einer einzigen Klasse. Den Kindergarten besuchen 9 Kinder.
Die Schule ist auf dem Land, und es wird viel Outdoor Education gemacht.
Bei der Wahl der neuen MitarbeiterIn steht die akademische Laufbahn und – Bildung nicht im Vordergrund, sondern aufrichtiges Interesse an Kindern und dem alternativen „Erziehungs-“ Konzept.
>> kurze Geschichte zum Projekt mit den Kontaktdaten für die Bewerbung.
>> Präsentation der Schule
>> theoretische Hintergründe des Konzeptes.
Auf Youtube ansehen:
>> https://www.youtube.com/embed/9Z5Qv4hc-rI
>> https://www.youtube.com/embed/Rhd4NK01NM8
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Alltägliches Institutionen Recht

Das Umschreiben des deutschen Führerscheins

Deutsche, die mit festen Wohnsitz in Italien leben, müssen innerhalb von zwei Jahren nach der Wohnsitzverlegung ihren deutschen Führerschein (patente), der kein Ablaufdatum hat, in einen italienischen Führerschein umschreiben lassen. Das entsprechende Gesetz ist seit dem 19.01.2013 in Kraft.
Deutsche, die schon vor diesem Datum ihren Wohnsitz in Italien hatten, mussten ihren nicht ablaufenden Führerschein bis zum 19.01.2015 umgeschrieben haben, sprich bis zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes.
(Artikel 136-bis des Codice della Strada (Straßenverkehrsordnung): www.aci.it. Unter Wohnsitz (residenza) versteht man in diesem Fall den „normalen Wohnsitz“, siehe europa.eu.)

Gültigkeit und Verlängerung in Italien

Der italienische Führerschein (Klasse B) hat je nach Alter des Besitzers eine unterschiedliche Gültigkeit:
– bis 50 Jahre: 10 Jahre
– zwischen 50 und 70 Jahre: 5 Jahre
– zwischen 70 und 80 Jahre: 3 Jahre
– über 80 Jahre: 2 Jahre
Bei der Verlängerung muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden.

Europäische Führerscheine (Klasse B) haben seit dem 19.01.2013 (siehe Art. 7, Abs. 2 der Richtlinie 2006/126/EG) eine Gültigkeit von 10 Jahren (wie z.B. Italien). Die einzelnen Länder können jedoch eine Gültigkeit bis zu 15 Jahren festlegen (wie z.B. Deutschland).

Der deutsche Führerschein mit einer 15 jährigen Laufzeit unterliegt bei Verlegung des Wohnsitzes nach Italien dem italienischen Gesetz, sprich ab Wohnsitzannahme ist er höchstens noch 10 Jahre (bis zum Alter von 50 Jahren) gültig.

Es schadet aber nicht, den Führerschein sofort umschreiben zu lassen! Dies spart Zeit und Probleme bei einem eventuellen Verlust des Führerscheins und dessen Neuausstellung.

Das Umschreiben

Um seinen Führerschein umschreiben zu lassen, muss man sich an die motorizzazione wenden. Beachten Sie bitte, dass der deutsche Führerschein einbehalten wird und an die deutsche Behörde zurückgeschickt wird! Solange der neue italienische Führerschein noch nicht fertig ist, bekommt man eine provisorische Fahrerlaubnis ausgestellt, die nur auf italienischem Gebiet gültig ist.

Zum Umschreiben des Führerscheins sind folgende Dokumente mitzubringen:
– ausgefülltes Formular TT2112
– Führerschein und Fotokopie
codice fiscale (Steuernummer) und Fotokopie
carta d’identità (Personalausweis) und Fotokopie
– 2 Passfotos
– Überweisungsbestätigungen von 10,20 Euro auf das Konto c/c 9001 und 32,00 Euro auf das Konto c/c 4028. Um die Überweisungen zu tätigen, muss man zu einer Filiale der poste italiane gehen.
ärztliches Attest (certificato medico) der Fahrtauglichkeit mit Passfoto und marca da bollo (Steuermarke) und Fotokopie

Nach einer Bearbeitungszeit (In meinem Fall war es ein Monat. Es muss aber gesagt werden, dass es in der Weihnachtszeit war!) ist der neue Führerschein zum Abholen fertig. Auf Anfrage kann man sich ihn auch zuschicken lassen.

Falls man es einfacher haben und sich den Weg zur motorizzazione sparen möchte, kann man sich auch an eine Fahrschule (scuola guida) oder an eine agenzia pratiche auto in seiner Nähe wenden. Diese helfen nach Bezahlung beim Formularausfüllen und erledigen die Formalitäten bei der motorizzazione für einen.

Im Falle, dass der nicht ablaufende Führerschein nach zwei Jahren mit Wohnsitz in Italien nicht umgeschrieben ist und man kontrolliert wird, wird es teuer und der Führerschein wird entzogen, siehe www.asaps.it.

Ich persönlich war zuerst richtig wehmütig meinen deutschen Führerschein abgeben zu müssen. Ich habe mir extra eine Fotokopie zur Erinnerung gemacht. Letztendlich ist es aber egal welchen Führerschein ich in meinem Geldbeutel habe. Den neuen Führerschein musste ich aber noch nie vorzeigen!

Zur Vertiefung des besprochenen Themas sind die folgenden Links sehr hilfreich:
EU-Führerschein: Wo und wann gilt er? | Fahrerlaubnis 2022 (bussgeldkatalog.de)
http://www.vehicle-documents.it/articoli/articoli1/centauro%20182%202015/182%202015.pdf
www.mit.gov.it

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Alltägliches Gesundheitswesen Institutionen Job&Co

ISEE – Indikator zur Einkommens- und Vermögenslage

Der ISEE (Indicatore della Situazione Economica Equivalente) ist der Indikator, der die familiäre wirtschaftliche Situation wiedergibt. Dieser Indikator muss vorgelegt werden, falls man in Italien ein Anrecht auf die günstigeren Tarife von öffentlichen Einrichtungen wie Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Universität oder aber auch z.B. Unterstützung im Pflegebereich haben möchte.

Diesen Indikator erhält man, indem man sich die Dichiarazione Sostitutiva Unica (kurz DSU) bei einem CAF, patronato oder direkt online beim INPS erstellen lässt.
Man kann diese Erklärung jederzeit präsentieren. Sie ist dann bis zum folgenden 15. Januar gültig.

Sie enthält die anagraphischen Daten aller Familienmitglieder, sowie deren Einkommen von vor zwei Jahren, sprich beim Ausfüllen der DSU 2016, muss das Einkommen von 2014 angegeben werden. Neben allen Einkommen muss auch das private Vermögen (Geld, Immobilien, Anlagen usw.) offengelegt werden. Angegeben werden muss der Stand aller Konten zum 31. Dezember des Vorjahres, sprich bei der DSU 2016 ist es der Kontostand von 2015. Seit 2015 muss neben den Kontoständen zum Jahresende auch die Jahresdurchschnittsbeträge aller Konten angeben werden. Diese erhält man von seiner Bank bzw. sind sie beim Onlinebanking einsehbar.
Des Weiteren muss mitgeteilt werden, ob man Eigentum besitzt oder zur Miete wohnt.
Eine Liste der mitzubringenden Dokumente finden Sie hier: http://www.acliservizi.com/wp-content/uploads/2014/08/Elenco_documenti_ISEE_2016_4-0.pdf

Bei der Berechnung des ISEE wird berücksichtigt, ob in der Familie Menschen mit Behinderung leben, die Anzahl der Minderjährigen und ob die Kinder unter drei Jahre alt sind.
Die DSU besteht zum Teil aus selbstangegebenen Daten (anagraphische Daten, Kontostände) und aus Daten der Datenbanken von agenzia d’entrate (Finanzamt), wie das Einkommen, oder INPS (z.B. Rente). 15 Tage nach dem Ausfüllen der DSU ist diese zum Abholen fertig.

In der Regel reicht es die DSU MINI (Formulare MB.1 und FC.1) auszufüllen, nur in besonderen Fällen müssen weitere Formulare ausgefüllt werden. In diesen Fällen erhält man nicht den ISEE ordinario, sondern ein ISEE specifico (z.B. ISEE Università, ISEE Sociosanitario).
Im Falle, dass z.B. ein Fall von Arbeitslosigkeit eintritt und man schon einen gültigen ISEE besitzt, kann man den sogenannten ISEE corrente berechnen lassen. Für diese Berechnung werden aktuellere Daten verwendet. Dieser ISEE hat eine Gültigkeit von zwei Monaten.
Weitere und tiefer ins Detail gehende Informationen sind unter folgendem Link zu finden: http://www.lavoro.gov.it/strumenti-e-servizi/ISEE/Documents/ISEE_istruzioni%20DSU.pdf

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Homeschooling Institutionen

Homeschooling-Erfahrung in Südtirol/Italien

Es ist nun einige Jahre her, dass meine Söhne ihre Homeschooling-Zeit mit der Ablegung der staatlichen Mittelschulabschlussprüfung als Privatisten abgeschlossen haben. Ich denke gerne an diese Jahre zurück und empfinde sie als Privileg. Einerseits haben wir natürlich aus finanziellen Gründen – da nur ein Einkommen – auf viel verzichtet, sind z. B. so gut wie nie verreist oder haben kaum auswärts gegessen, das war dann jedesmal etwas Besonderes. Aber eigentlich haben wir das nie als großen Verzicht angesehen, denn die Zeit – den ganzen Tag, ohne fremdbestimmt auf Uhrzeigen groß Rücksicht zu nehmen – gemeinsam zu verbringen als einen „normalen Zustand“, das war einfach so wunderbar und das Wichtigste.

Nie möchte ich die magischen Momente missen, in denen einem Kind beim Lernen und Ausprobieren auf einmal regelrecht „das Licht aufgeht“. Diese Augenblicke haben eine so enorme Kraft und Schönheit, und dabei gewesen zu sein und dieses Feuer miterleben zu dürfen, ist ein ganz besonderes Geschenk. Das verbindet natürlich auch sehr, dieses Teilen von dermaßen emotionalen Erlebnissen. Auch der Gedanke, dass wir als Eltern ein bisschen dazu beigetragen haben – durch Zeigen, Erklären, Vorlesen oder einfach auch nur durch die Bereitstellung der entsprechenden Materialien, des Raums, der Zeit – ist ein großartiges Gefühl.

Oft werde ich von Eltern gefragt, wie man sich Homeschooling organisatorisch-technisch vorstellen kann. Das ist natürlich von Familie zu Familie verschieden und hängt auch davon ab, ob man sich einer besonderen Methode wie Waldorf oder Montessori oder andere zuwendet.

Bei uns war das so, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben, auf die Erfüllung der Grundanforderungen zu achten, die auch in der Schule in diesem Alter gefragt wären. Das heißt, dass die Kinder in einem bestimmten Alter flüssig lesen konnten, die Schreibschrift und die Grundrechnungsarten beherrschten usw. Weniger wichtig war es mir, in den Sachfächern mit dem Schulprogramm Schritt zu halten: da haben wir uns ziemlich nach den Interessen der Kinder gerichtet und ich glaube, dass wir auf diese Weise zum Teil sogar mehr Inhalte erarbeitet haben, als es im Schulunterricht passiert. Diese Sachfächer oder sagen wir Nebenfächer wie Geschichte, Erdkunde, Naturkunde, Kunst, Musik, wurden bei uns zu „Hauptfächern“, denn inhaltlich interessierten sich die Kinder dafür am meisten.

Was die o.g. Grundkompetenzen angeht, so haben wir uns nach dem Rezept „Wenig und täglich“ gerichtet. Es bringt einfach mehr, mit einem Leseanfänger täglich ein paar Minuten Wörter oder Sätze zu lesen anstatt einmal in der Woche zwei Stunden über einem Buch zu sitzen. Dasselbe gilt für das Rechnen: täglich eine kleine Portion, das bringt’s!
Wobei man natürlich ganz viel spielerisch gestalten kann, vor allem je jünger die Kinder sind. Das „tägliche Lesen“ muss also nicht am Küchentisch passieren, sondern kann auch einfach am Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts passieren. Das tägliche Schreiben kann auch das Beschriften der Aufkleber für die selbstgemachte Marmelade sein und die Glückwunschkarte an die Tante. Das Rechnen passiert beim Einkaufen ebenso wie beim Kochen.
Ab einem bestimmten Alter, so etwa mit 8-9 Jahren, haben wir begonnen, langsam strukturierter zu arbeiten. Da gab es dann auch Übungsvorlagen und Arbeitsblätter, sehr oft selbst gemachte. Aber auch weiterhin viele Spielübungen wie Memory, Domino usw., die kann man ja z. B. auch mit Rechenspielen Frage-Antwort einsetzen.

Manchmal kam es vor, dass ein Kind inhaltlich stockte, also z. B. bei einer gewissen Rechenart einfach nicht weiter kam. Da haben wir dieses Kapitel einfach abgebrochen und nach einigen Wochen oder Monaten nochmal probiert, da ging’s dann. Es lohnt sich wirklich, die individuellen Zeiten der Entwicklung des einzelnen Kindes zu respektieren. Beim Homeschooling fällt auch der ständige Vergleich mit den Kenntnissen und Fähigkeiten der Gleichaltrigen weg, was enorm hilft, mit Freude zu arbeiten. Als Mutter habe ich schon ab und zu geguckt, was Gleichaltrige ungefähr in der Schule so durchnehmen, um eine Art roten Faden zu haben, zur eigenen Orientierung, aber das hat mir nie Stress gemacht. Ich hatte mir mental einen Spielraum von +/- einem Jahr gelassen, was die Grundkompetenzen betrifft, das hat ganz gut geklappt. Auf diese Weise wäre mir wohl auch aufgefallen, wenn eines der Kinder größere Lernschwierigkeiten gehabt hätte, wo man im Fall vielleicht auch hätte Experten dazuziehen sollen, wie z. B. bei einer ausgeprägten Leseschwäche. Das war bei uns nicht der Fall.

Zurück zu unserem Tagesablauf: Diese „kleinen Portionen“ in Rechnen, Schreiben und Lesen spielten sich meistens am Vormittag ab, der je nach Jahreszeit unterschiedlich begann: Im Sommer standen wir früher auf, im Winter genoss auch ich es, bis 8 Uhr morgens zu schlafen.
Nach dem Mittagessen standen meistens unsere fächerübergreifenden Projekte auf dem „Plan“: Naturentdeckungen und Festhalten in Wort und Bild (Karten, Poster, Lapbooks usw.), Projekte zu KünstlerInnen und ihren Werken, Arbeiten mit der Zeitschnur (eine Art mobile Zeitlinie), Landkartengestaltung usw. Oft fingen wir gemeinsam mit diesen Projekten an und die Kinder arbeiteten dann autonom weiter. Die Grenze zwischen Lernen und Spielen war dabei ganz aufgehoben und ging ineinander über.
Abends, als auch der Vater von der Arbeit wieder zuhause war, wurde noch erzählt (die Kinder liebten es, den Vater über das Gelernte auszufragen und freuten sich immer, wenn sie die Antwort kannten und er ab und zu nicht), vorgelesen und manchmal ein inhaltlich passender Dokumentarfilm geschaut.
Überhaupt haben wir grundsätzlich immer darauf geachtet, thematisch „am Ball“ zu bleiben. Wenn wir z.B. eine bestimmte geschichtliche Epoche durchgenommen haben, wurden entsprechende Bücher aus der Bibliothek geholt, passende Filme angesehen, Hörbücher gehört, Ausmalbilder zur Verfügung gestellt, Modelle gebastelt und eventuell sogar kulinarisch entsprechende Angebote gemacht. Natürlich gehören dazu auch Museumsbesuche, Spiele, Ausstellungen und Gespräche mit Leuten, die sich zum Thema auskennen.

Ich denke, je nachdem was man sich vom Homeschooling erhofft, richtet man die Art und Weise der Methode und der Schwerpunkte aus. Mir war es, abgesehen von den Grundkompetenzen wichtig, dass die Kinder eine gute Allgemeinbildung erhielten und vor allem Interesse an diesen Inhalten bekämen. Auch war ich froh darüber, dass sie auf diese Weise „das Lernen lernten“ durch selbständiges Recherchieren, Analysieren und Überlegen. Dabei hat uns z. B. auch die Tatsache geholfen, dass wir kaum Schulbücher verwendeten sondern zu jedem Thema verschiedene Bücher. Da war es spannend, wenn diese sich manchmal inhaltlich nicht nur ergänzten sondern sogar widersprachen! – was zum weiteren Nachforschen ermutigte.

Wichtig war mir auch ein schönes Klima im Alltag und in der Familie. Wir alle haben vom Homeschooling profitiert, denn Lernen und Entdecken ist auch für Erwachsene so belebend, interessant und erfüllend! Dieser Ansatz ist uns allen geblieben. Ich kann also rückblickend nur positiv von unserer Erfahrung erzählen.

Auch der Umgang mit den Institutionen war positiv. Es ist wichtig, dass man selbst gut weiß, was man tun möchte und wie die Gesetzeslage ist, dass man die Termine einhält usw.

Homeschooling ist in Italien durch die Verfassung vorgesehen und erlaubt. Es ist notwendig, der zuständigen Schule jedes Jahr innerhalb Jänner für das im darauf folgenden Herbst startende neue Schuljahr eine Mitteilung über die Erteilung von Hausunterricht zukommen zu lassen. Infos und Vorlagen dazu gibt es unter www.controscuola.it und www.istruzionefamiliare.wordpress.com.
Wir erhielten meistens im August, also einen Monat vor Schuljahrbeginn, eine Rückmeldung von der Schule mit der Einladung, innerhalb November einen individuellen Lernplan vorzulegen, was wir dann auch für jedes Kind machten: also eine Liste mit den Inhalten, die man in jedem Fach vorhat anzugehen. Innerhalb Jänner bzw. Juni bat die Schule jeweils um einen Lernbericht. Darin habe ich angeführt, was wir tatsächlich gemacht haben, auch mit Angabe von gelesenen Büchern, gemachten Ausflügen, Museumsbesuchen usw. sowie mit Kopien von Arbeitsblättern, Aufsätzen usw. Auf diese Weise konnte die Schuldirektion ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und überprüfen, dass das Recht der Kinder auf Bildung durch Hausunterricht umgesetzt wurde.
Wir erhielten nie direkte Rückmeldungen zu Lernplan und Lernberichten, also gingen wir davon aus, dass alles in Ordnung war, und machten so weiter.

Eignungsprüfungen sind eigentlich nur vorgesehen, wenn das Kind im darauf folgenden Schuljahr die Schule besuchen möchte (im Gegensatz zu Österreich, wo jährlich eine Eignungsprüfung abgelegt werden muss). Da für die Ablegung der staatlichen Mittelschulabschlussprüfung das Erreichen des 13. Lebensjahrs aber auch die abgelegte Eignungsprüfung über die 5. Klasse Grundschule (gilt nur für Privatisten, also auch Homeschooler) notwendig war, wurde diese abgelegt. Das passiert nicht automatisch, sondern für jede Prüfung muss man im April um Zulassung ansuchen. Daraufhin haben wir uns auch mit den LehrerInnen der Prüfungskommission getroffen, damit die Kinder sie noch vor der Prüfung kennenlernen konnten, und so konnte man sich auch ein bisschen über die Inhalte der bevorstehenden Prüfung austauschen. Es ist alles gut gegangen, wenn es natürlich auch sehr aufregend da nicht alltäglich war.

Nach der Homeschooling-Erfahrung mit meinen eigenen Kindern habe ich in den darauffolgenden Jahren auch andere Privatisten im Alter zwischen 13 und 16 Jahren im Vorbereitungsjahr auf die Mittelschulabschlussprüfung begleitet. Dabei konnten wir auch die Materialien und Methoden aus der Homeschoolingzeit sehr gut nutzen. Individuelle Lernbegleitung gemischt mit Autodidaktik ist meiner Meinung nach die beste und effizienteste Methode, selbstbestimmt und mit Freude zu lernen.

Ich wünsche allen, die dieses Abenteuer ebenfalls wagen möchten, eine fantastische Reise ins Land des freien und selbstbestimmten Lernens und Lebens!

August 2016
Sybille Kramer, Südtirol/Italien
www.sybilletezzelekramerartblog.wordpress.com