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Selbständig in Italien: Mutterschutz beantragen

Auch Frauen, die als Selbständige in Italien arbeiten (Gestione Separata), haben das Recht, fünf Monate Mutterschutz in Anspruch zu nehmen und dabei einen prozentualen Anteil des Einkommens vom INPS erstattet zu kriegen.

In Italien sind pro Kind (das man selber bekommt, oder adoptiert) immer fünf Monate Mutterschutz vorgesehen. Zwei Monate vor errechnetem Geburtstermin, und drei Monate danach. Man kann alternativ auch einen Monat vor errechnetem Termin in Mutterschutz gehen und danach vier Monate Mutterschutz wahrnehmen. Wer dies tun möchte, muss es aber extra beantragen, und ein entsprechendes Attest vom Gynäkologen vorlegen, in dem bescheinigt wird, dass medizinisch nichts dagegen spricht.

Auch die Geldleistungen des INPS und deren Beantragung spalten sich in zwei Teile. Um den ersten Teil des Mutterschutzes in Anspruch nehmen zu können, muss man den entsprechenden Antrag zuerst online beim INPS stellen. Dort wird u.a. der erwartete Geburtstermin eingegeben. Mit der online erzeugten Vorgangsnummer geht es zum nächsten örtlichen INPS um den Antrag persönlich einzureichen.

Mitzubringen sind der Personalausweis und die Bestätigung des Frauenarztes über die Schwangerschaft und den errechneten Geburtstermin (erhält man beim entsprechenden Termin in der Untersuchung zum 6. Monat). Um in den Genuss des zweiten Teiles der Zahlungen zu kommen, muss man innerhalb von 30 Tagen nach der Geburt die Geburtsurkunde des Kindes beim INPS vorlegen.

Für den gesamten Zeitraum darf man keine Rechnungen stellen (man unterschreibt stattdessen, keinerlei Beschäftigung nachzugehen), und Kosten, die man sonst absetzen könnte, kann man bei der Steuererklärung über diesen Zeitraum ebenfalls nicht geltend machen.

Seltsamerweise wollen die Schalterbeamten des INPS auch immer die letzte Einkommensteuererklärung sehen (obwohl sie diese Daten auch im Rechner haben), aber nicht immer. Beim ersten Kind musste ich zum Beispiel noch alles vor und nach der Geburt beibringen, beim zweiten Kind mussten wir die Geburtsurkunde schon gar nicht mehr vorlegen und es reichte, den Codice Fiscale des Neugeborenen telefonisch durchzugeben, und die Zahlungen wurden angewiesen.

Was die Höhe des Mutterschutzes betrifft, darf man sich nicht auf die „offiziellen“ 80% des Durchschnittseinkommens im Vorjahreszeitraum verlassen. Denn wie oft wir bei beiden Kindern auch nachgerechnet haben: Man kann die Abrechnung nicht nachvollziehen. Auch „unsere“ Sachbearbeiterin beim INPS konnte uns nichts dazu sagen. Sie meinte, es würden jährlich wechselnde komplizierte Formeln zugrunde gelegt, und kein Mensch wüsste, warum welcher Betrag ausgegeben würde. Im Endeffekt habe ich an Mutterschutz-Zahlungen niemals 80% des Einkommens vom INPS ausgezahlt bekommen, sondern bei der ersten Schwangerschaft etwa 50% und bei der zweiten nur noch 30%. Und dies jeweils mit erheblicher „Verspätung“, und nicht etwa zeitnah oder in monatlichen Raten. Es ist also unbedingt anzuraten, sich nicht ohne einen finanziellen Puffer in Mutterschutz zu begeben.

Update 2018:

Das Finanzamt hat für mein Mutterschaftsgeld Sozialbeiträge nachgefordert und ein Bußgeld verhängt. Ich war damit nicht einverstanden und habe mich an „unseren“ Dr. Resch gewendet. Er hat mir gesagt, dass es tatsächlich so ist, dass hier seitens des INPS ein Fehler vorliegt, der auch schon hinreichend bekannt ist. Er ist nun leider „im System“ und man muss sehen, dass man ihn mit einem Sachbearbeiter beim Finanzamt geklärt bekommt. Dieses Dokument sollte ich mit zum Finanzamt nehmen, wenn ich dort vorstellig werde.

Dr. Resch hat den Sachverhalt nochmal zusammengefasst:

Das Mutterschaftsgeld und die Sozialversicherung

Während das Mutterschaftsgeld den Arbeitnehmerinnen vom Arbeitgeber zu Lasten des Sozialversicherungsinstitutes INPS direkt ausgezahlt wird, besteht für selbständige Empfängerinnen keine Möglichkeit, das Mutterschaftsgeld in der Steuererklärung, von den Sozialversicherungsbeiträgen auszuklammern. Im Falle dass Mutterschaftsgeld-Empfängerinnen eigenmächtig für das Mutterschaftsgeld keine Sozialversicherungsbeiträge einzahlen, wird die Steuererklärung von der Einnahmenagentur automatisch dahingehend korrigiert und die Sozialversicherungsbeiträge werden zuzüglich einer Verwaltungsstrafe nachverlangt. Dieser Widerspruch und diese ungleiche Behandlung der abhängigen und der selbständigen Mutterschaftsgeld-Empfängerinnen in Zeiten der sinkenden Geburtenraten muss allerdings in einem aufwendigen und fragwürdigen Onlineverfahren CIVIS oder vor einem einsichtigen Funktionär in der Einnahmenagentur geltend gemacht und von diesem korrigiert werden.

 

 

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Freiberufler in Italien: IVA, INPS und ein kleiner Tipp zum Sparen

Viele Auswanderer lassen sich in Italien als Selbständige nieder und versuchen so, ein kleines „Business“ zu starten oder gehen ihrem schon in Deutschland freiberuflich ausgeübten Job nach. Andere widerum suchen eigentlich eine Arbeit im Angestelltenverhältnis und werden vom gefundenen Arbeitgeber – wie unzählige Italiener – in die Scheinselbständigkeit gezwungen. Sie „werden“ eine Partita IVA, wie es in Italien inzwischen heißt.

Wann muss man sich wie versichern?

Für eine geringfügige Tätigkeit bis zu einem Einkommen von 5.000 Euro jährlich sind keine Sozialbeiträge zu leisten. Liegt das Einkommen darüber, meldet man sich beim INPS („NISF“ in Südtirol) an, wo man in die „Gestione Separata“, eine gesonderte Kasse, eingetragen wird. Dann werden Rentenbeiträge bis fast 30% fällig, und wer dann noch die volle Einkommensteuer zahlen muss, wird rund die Hälfte des Reinerwerbs an den Staat abgeben.

Ein Selbstständiger ist in Italien nicht gegen Arbeitslosigkeit abgesichert, hat aber Anrecht auf Familienbeihilfe, Taggeld im Falle eines Krankenhausaufenthalts, fünf Monate Mutterschutz und krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit.

Das „regime dei minimi“

Rechtlich und steuerlich ist es für Freiberufler in Italien am einfachsten, dem „regime dei minimi“ anzugehören. Das ist eine Art Sonderform für Einsteiger unter 35 Jahren. Es gibt hier in den ersten fünf Jahren eine Steuerbegünstigung (man zahlt nur 5% statt die normalen Beiträge) und man ist von der Einforderung der Mehrwertsteuer befreit.

Folgende Bedingungen müssen aber erfüllt sein:

  • das jährliche Einkommen bleibt unter 30.000 Euro
  • steuerlich geltend gemachtes Equippment wie Computer, Firmenwagen u.ä. bleibt in drei Jahren unter 15.000 Euro
  • man hat keine Angestellten oder Weisungsempfänger
  • das Business ist in Italien gemeldet
  • man ist kein Teilhaber einer GmbH oder ähnlichem
  • man gehört keinen Ausnahme-Gruppen an wie Fischereibetriebe, Landwirtschaft, etc

Fristen

Die Einkommensteuer wird mit einer Anzahlung bis zum 30. November eines jeden Jahres (auf der Grundlage des Vorjahressatzes berechnet) und dann im Juni des Folgejahres beglichen. Dieselben Fristen gelten auch für die Zahlung des INPS-Beitrags.

Tipp: Rechnungsstellung an ausländische Unternehmen

Viele in Italien im Regime dei Minimi arbeitende Freiberufler haben mit Unternehmen innerhalb der EU zu tun. Stellt man hier die Rechnung, wird kein Bollo mehr benötigt. Auch muss, der Einfachheit halber, innerhalb der EU keine Mehrwertsteuer auf- und abgeführt werden. Der Rechnung ist dazu folgender Satz zuzufügen: „Operazione effettuata ai sensi dell’articolo 1, comma 100, della legge finanziaria per il 2008, come modificata da articolo 27, DL 98/2011, non soggetta né ad iva né a ritenuta ai sensi del provvedimento agenzia delle entrate n. 185820“

Tipp: Einen Teil der Sozialbeiträge auf den Rechnungsempfänger umwälzen

Bis 4% der Abgabe an das INPS können auf den Rechnungsempfänger abgewälzt werden („Rivalsa Inps“). In Italien weiß das jeder mit dem Ihr zu tun haben werdet, man kann aber auch versuchen, das bei seinen ausländischen Kunden durchzusetzen. Sowohl italienische als auch ausländische Firmen müssen dem Freiberufler hier nicht entgegenkommen, tun es aber meist.
>> So kann das dann letztendlich aussehen

Bei einem Umzug innerhalb Italiens muss die neue Adresse natürlich auch bei Finanzamt und INPS gemeldet werden. Beim INPS reicht es, die neue Adresse telefonisch durchzugeben.

Steuerberater, die sich um Freiberufler kümmern, verlangen ab 600 Euro im Jahr für ihre Dienste. Die meisten Freiberufler, die ich kenne, haben so einen Commercialista, da sich viele Regeln was Meldepflichten, Beitragszahlungen und absetzbare Ausgaben dauernd ändern. Außerdem hat kein normal Sterblicher Zeit und Lust, sich mit den telematischen Prozeduren von Steuerzahlung und Erklärung auseinanderzusetzen.

Tipp: INPS-Voucher absetzbar

Eigentlich darf ein „regime minimi“ keine Mitarbeiter haben. Ausnahme: Gelegenheitsarbeit. Wer also einen Kollegen hat, der gelegentlich mitarbeitet, kann die Kosten dafür steuerlich absetzen und muss seinen Steuerstatus nicht ändern. Wie die Beschäftigung eines Mitarbeiters auf dieser Basis praktisch aussieht kann hier nachgelesen werden.

Kleiner Exkurs für Angestellte: Abschreibungen und die Einkommensteuer

Wer im Angestelltenverhältnis arbeitet, muss seine Einkommensteuererklärung dann selber erstellen, wenn er Abschreibungen geltend machen will. Ansonsten macht das der Arbeitgeber. Die Berechnung der Einkommensteuer (IRPEF) kann man zum Beispiel auf der Seite IRPEF.INFO vornehmen. Die Fristen sind dieselben wie bei Selbständigen.

 

UPDATE 7.10.2015: Hier ein sehr umfassender Artikel zum Thema auf Italienisch – mit vielen Details und konkreter Anleitungen zum Antragstellen der „Gestione Separata“.

UPDATE 18.04.2016: Hier ein zusammenfassender Artikel zu den Änderungen für das „regime dei minimi“ ab 2016 (auf Italienisch)
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Quellen:
http://www.minijob.it/blog/2015/01/partite-iva-cosa-sono-e-cosa-bolle-pentola/
http://www.guidafisco.it/contribuenti-minimi-voucher-inps-1090#ixzz3fymWsbs6