Autor: Ulrike Cristina

Homeoffice mit Meerblick – Gibt es einen italienischen Zweitwohnsitz?

Eine Frage beschäftigt viele Käufer von Immobilien in Italien: Kann man seinen Wohnsitz in Deutschland behalten und in Italien einen Zweitwohnsitz anmelden? Diese Lösung käme vielen Pendlern zwischen den beiden Ländern entgegen, da es für gemeldete Personen steuerliche und andere Vorteile gäbe.

Da jeder Fall individuell nach Interesse und Wohnumständen anders sein kann, ist auch eine Lösung entsprechend individuell. Es sind mehrere Regelungen zu beachten, nämlich die des Wegzugslandes, die des Zuzugslandes und dies zusammen mit den Regeln der EU.

Innerhalb Europas herrscht das Freizügigkeitsprinzip, d.h. jeder, der in einem europäischen Land rechtmäßig wohnt, kann in ein anderes ohne große Bürokratie umziehen – ganz ohne Verwaltungsaufwand geht es aber nicht.

Die drei-Monats-Regel

Es gilt die drei-Monats-Regel: wenn man sich länger als drei Monate am Stück in einem EU-Land aufhält, dann hat man dort grundsätzlich seinen Lebensmittelpunkt und an dem soll man auch seinen Hauptwohnsitz haben. Das ist einfach zu bestimmen, wenn man dort z.B. ein Haus, eine Wohnung, eine feste, unbefristete Arbeitsstelle hat und in die alte Heimat nur zu Besuch fährt. Aber es gibt auch Arbeitnehmer, die von der deutschen Firma ins Ausland geschickt werden oder über die EU-Grenze zum Arbeiten ins Nachbarland pendeln. Diese bleiben dem deutschen Hauptwohnsitz treu.

Eine andere Variante ist, wer als Rentner umzieht oder einfach nur ein paar Jahre Homeoffice am Mittelmeer machen will.

Wofür braucht es eigentlich einen Hauptwohnsitz und kann man nicht zwei oder mehr davon unterhalten?

An den Hauptwohnsitz sind für den EU-Bürger Rechte aber auch Pflichten gebunden. Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, Kindergeld, Steuerpflicht, Wahlrecht, Schulpflicht, Haltersitz beim Kfz, dafür braucht es einen Hauptwohnsitz. Die Verwaltungen der Gemeinden, alle Behörden und Gerichte gehen davon aus, dass man dort am besten und regelmäßig erreichbar ist. Die Gemeinden stellen Personalausweise und Pässe und verschiedene Bescheinigungen aus. Sie benötigen die Daten der am Ort Lebenden, um die Versorgung planen und organisieren zu können. Wie viele Ämter, Ärzte, Schulen, Kindergärten, Parkplätze, Wahlbezirke, Notare, Krankenhäuser, Pflegeheime ecc. erforderlich sind, richtet nach der Einwohnerzahl. In Deutschland bestimmt die Anzahl der Gemeldeten auch die Höhe der Finanzzuweisungen vom Land an die Kommune. Je genauer die ständigen Bewohner erfasst werden, umso besser kann die Verwaltung funktionieren und kontrollieren.

Aus diesem Grund gibt es seit 2013 ein Bundesmeldegesetz, das die vorherigen Regelungen der Bundesländer bündelt. §17 und §23 enthalten die Vorgaben der Meldepflicht der Bürger: Wer zu- oder fortzieht, muss dies innerhalb von 14 Tagen der Meldebehörde anzeigen. Die deutschen Meldebehörden sind untereinander verbunden und verfolgen so die Umzugsaktivitäten der Einwohner. Wer eine Meldung unterlässt, dem droht eine Ordnungsstrafe von bis €1.000,00.

Neben der Hauptwohnung kann der Bürger in Deutschland beliebig viele Nebenwohnungen anmelden (§22 MeldeG), daher kommt der umgangssprachlich genutzte Begriff Zweitwohnung. Aber auch für die Nebenwohnungen gilt die An- und Abmeldepflicht, hier kann es zu Zweitwohnsteuerpflichten kommen und nur die Hauptwohnung ist als Lebens- und Interessenmittelpunkt sichere Zustelladresse.

Wer aber ins Ausland verzieht, sich nicht abmeldet, und gleichzeitig sich im Ausland wieder anmeldet, den erfasst eine (deutsche) Kontrolle nicht, da es keine länderübergreifenden Informationen unter den europäischen Meldebehörden gibt. Erst wenn Behördenschreiben von der deutschen Adresse ungeöffnet zurückkehren, wird die Behörde aktiv und es kann zu einer Zwangsabmeldung mit Bußgeld kommen. Wenn man dann wieder zurück nach Deutschland zieht, kommt die Meldebehörde natürlich darauf zurück.

Da Umziehen ins Ausland ohne Abmelden unter Beachtung der praktischen Fußangeln also möglich ist, kann man in Italien ohne weiteres eine Anmeldung des Wohnsitzes (residenza) vornehmen. Dafür muss man der italienischen Wahlgemeinde eine Wohnung, Einkommen und Krankenversicherung nachweisen bzw. eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle in Italien. Der Zugezogene erhält einen italienischen Personalausweis, profitiert von Steuervorteilen bei Erwerb von Immobilien (prima casa), preiswerteren Tarifen bei Strom und Gas, besseren Bedingungen bei Girokontoverträgen, kann sogar ein Auto auf sich zulassen …. Man ahnt es: es gibt ein „Aber“.

Die italienischen Gemeinden kontrollieren in der Regel am Anfang durch das Ordnungsamt (vigile), ob sich der neu Gemeldete auch an der entsprechenden Adresse aufhält, ob er einen Briefkasten und ein Klingelschild hat. Aber es gibt in Italien keinen „Zweitwohnsitz“, die residenza ist vergleichbar der Hauptwohnung nach dem deutschen Meldegesetz. Auch an die residenza sind nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten geknüpft. Hier interessiert die Verwaltung als erstes die Steuerpflichten: Einkommen im In- UND Ausland sind den italienischen Behörden anzugeben. Die Kontrolle der Inlandsaktivitäten erfolgt durch die Behörden über die Steuernummer (codice fiscale), die für viele Rechtsgeschäfte verpflichtend ist.

Und die Italiener sind zudem strenger, was die Bußen betrifft: Die residenza muss nach örtlichem Recht mit dem gewöhnlichen tatsächlichen Aufenthalt (dimora abituale) übereinstimmen. Stimmt das nicht oder gibt man eine andere, abweichende Adresse bei der Gemeinde an, begeht man nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern die Straftat der Urkundenfälschung (falso in atto pubblico). Erkennt die italienische Gemeinde, dass der Gemeldete nicht gewöhnlich vor Ort ist, kann nach einem Jahr die Zwangsabmeldung durchgeführt werden. Diese hängt wiederum mit der gesetzlichen Gesundheitsversorgung zusammen, die dann verweigert wird. Zustellungen an die Adresse gelten trotzdem als zugegangen, auch wenn sie in Abwesenheit auf der Gemeinde oder bei Gericht hinterlegt wurden.

Wer also den Spagat zwischen zwei Meldesystemen wagen will, muss ständig darauf achten, alle Pflichten in beiden Ländern korrekt zu erfüllen, bei Kontrollen den richtigen Ausweis zu zeigen, an den Adressen gleich gut erreichbar zu sein und keine amtlichen Mitteilungen zu verpassen. Wem das zu viel Stress ist, der kann sich mit seinem Umzug auch rechtskonform verhalten und ab-, um- und wieder anmelden. Der Service ist in beiden Ländern kostenlos.

Schlagwörter: , ,

Ist ein Notarvertrag für den Immobilienkauf nötig?

Wenn man als Italienfan in der günstigen Situation ist, sein Traumhaus zu finden und dann womöglich noch direkt von einem sympathischen Einheimischen, kann man sich glücklich schätzen. Sind die Parteien sich handelseinig, wird schnell ein Vorvertrag – sog. Contratto preliminare oder compromesso – in schriftlicher Form abgeschlossen. Da steht alles wunderbar schwarz auf weiß! Das Geschäft steht! Ab sofort darf man das Traumhaus nutzen. Dann kann doch jetzt nichts mehr schief gehen, oder? Braucht man dann eigentlich noch den teuren Notar?

Die Antwort ist eindeutig: ja, unbedingt. Das italienische Zivilrecht ist da ganz klar, denn Art. 2643 Zivilgesetzbuch fordert unmissverständlich, dass Rechtshandlungen über unbewegliche Sachen öffentlich bekannt zu machen sind.

Die Bekanntmachung dient aber nicht nur dem italienischen Staat, dem Fiskus und als Einnahmequelle des Notars, sondern auch dem Erwerber selbst. Nur eingetragene Verträge über den Erwerb von Immobilien haben eine Aussenwirkung, also eine Rechtswirkung gegenüber jedem anderen. Die ist wirklich wichtig für den Käufer, denn solange es keine Eintragung seiner Rechtsposition im öffentlichen Liegenschaftsregister gibt, ist der noch verzeichnete letzte Eigentümer in der Lage, weitere Geschäfte abzuschließen. Er könnte lustig weitere Vorverträge machen, denn seine Berechtigung ist formal nicht erloschen. Auch wenn man eine sehr gute Beziehung zum Verkäufer hat, sollte man dies nicht riskieren. Andererseits wird auch der Verkäufer nicht wirksam aus seiner Rechtsposition entlassen. Er bleibt u.a. steuerpflichtig für die Immobilie.

Wer also am Notar spart, spart an der falschen Stelle. Für die öffentliche Bekanntmachung benötigt man diesen staatlich zugelassenen Dienstleister, der das Rechtsgeschäft in einer Urkunde niederlegen muss, die zum zuständigen Liegenschaftsamt einzutragen ist.

Die Urkunde kann entweder eine öffentliche Urkunde sein oder eine privatschriftliche mit beglaubigter Unterschrift der Parteien. Der letzte Fall ist die Regel: der Notar „nimmt die Erklärungen der Parteien entgegen“ und bestätigt am Ende der Urkunde, dass es sich wirklich um die Personen handelt, für die sie sich ausgeben. Das geschieht mit der Beglaubigungsformel. In der Praxis verliest der Notar die Urkunde den Parteien zur Kontrolle der Erklärungen, die sie abgeben haben, auch wenn der Entwurf komplett vom Notar erstellt wurde. Dann setzen die Parteien und der Notar ihre Unterschriften auf die Urkunde.
Die öffentliche Urkunde ist dagegen ein größerer formaler Aufwand und nach Gesetz z.B. bei Schenkungen vorgeschrieben. Der Vorteil: auch der Inhalt der Urkunde wird durch den Notar erklärt, d.h. er ist dafür verantwortlich. Zudem gibt es zwei Zeugen, die das Geschäft bestätigen. Die erforderliche Aussenwirkung haben bei Bekanntmachung beide Varianten.
Wenn man als Käufer auf Nummer sicher gehen will, ist es ratsam, bereits den Vorvertrag bekanntzumachen, also vor dem Notar abzuschließen. Dann ist man auch vor üblen Überraschungen weiterer Vorverträge abgesichert. Niemand, der dann einen Vorvertrag über dasselbe Objekt abschließt kann behaupten, er hätte von nichts gewusst.

Zum Autor:
Seit 20 Jahren berät Rechtsanwältin Ulrike Cristina mittelständische Unternehmen auf internationaler Ebene, insbesondere im europäischen Handelsraum.
Kontakt:
Standort Verbania: Corso Europa 26 | I-28922 Verbania (VB) | Tel.: +39 0323 504 304
Büro Essen: Maxstraße 3 | D-45127 Essen | Tel.: +49 (0)201 470 99 310
E-Mail: info[ät]ra-cristina.de
Webseite

Schlagwörter: , ,

Gibt es ein Recht auf freie Aussicht?

Für die schöne Terrasse oder den Balkon mit Blick auf das glitzernde Meer, die Berge oder den tiefblauen See greifen die Käufer der Ferienimmobilien tief in die Tasche. Die Preise für Häuser und Wohnungen mit „unverbaubarer Aussicht“ liegen in den oberen Kategorien. Auch wenn Italien in der Tat sehr viel Meeresküste und Seelandschaften zu bieten hat, so können sich schöne Aussichten an den Hanglagen auch eintrüben.

Beginnt der Nachbar unterhalb mit einem Bauprojekt, das zu hoch in den Himmel zu ragen scheint, so gibt es die Möglichkeit, in die Bauakten Einsicht zu nehmen. Im Gegensatz zum deutschen Baurecht, ist es aber keine Aufgabe der Baubehörde, den Nachbarn über die anstehenden Projekte von sich aus zu informieren. Der Eigentümer, der Probleme mit der Baustelle fürchtet, muss sich selbst kümmern. Die Behörden haben zudem die Pflicht, auf Datenschutz zu achten und den Inhaber der Genehmigung über den Antrag auf Akteneinsicht zu informieren. Wenn der Antragsteller kein berechtigtes Interesse nachweisen kann, muss dem Antrag nicht stattgegeben werden. Die italienischen Baugenehmigungen werden „vorbehaltlich Rechte Dritter“ ausgestellt. Das heißt also, dass die Schutzrechte der Nachbarn als Dritte, die auf dem Zivilrechtsweg verfolgt werden können, unberührt bleiben. Das ist z.B. bei Missachtung des Bauabstandes zur Grenze oder bei Fensteröffnungen zu Privatbereichen ausdrücklich gesetzlich geregelt.

Was ist aber mit dem Schutz der schönen Aussicht?

Wenn nicht die Bauordnung passende Limits bei den Gesamthöhen der Neubauten vorsieht, sieht es schlecht aus: Leider kennt das Zivilgesetz in Italien dieses Recht nicht, es gibt keine konkrete Reglung für Grenzprobleme, die sich in luftiger Höhe abspielen. Die Grenzen limitieren den horizontalen Platz, nicht den vertikalen. Hier kommt es immer auf den Einzelfall an, denn wenn das Ferienhaus durch den Neubau zugestellt wird, ist ein erheblicher Wertverlust des Eigentums zu befürchten und dieses Recht ist selbstverständlich auch schutzwürdig.

Die fehlende Regelung führt auch zu Problemen, wenn es um die Natur geht, denn hochwüchsige Bäume, die beim Nachbarn unterhalb in den Himmel schießen, erreichen irgendwann die kritische Grenze und behindern die freie Aussicht. Auch hier gibt es allein Regeln zum Grenzabstand am Boden, der bei hohen Bäumen mindestens 3 Meter, gemessen von der Baumstammmitte, betragen muss. Ausnahmen gibt es allein bei Obstbäumen, auch wenn diese normalerweise nicht so hoch hinaus wollen, wird deren maximale Höhe gesetzlich auf 2,50 Meter beschränkt.
Stehen aber die Wipfel der Kastanie oder der Robinie im Blickfeld, bleibt als Alternative immer noch, den Nachbareigentümer zu einem Glas Wein auf die eigene Terrasse einzuladen, um mit ihm zusammen die „schöne Aussicht“ zu betrachten. Die Einsichtsfähigkeit des Nachbarn steigt sicher, wenn ein Angebot, den notwendigen Baumschnitt mitzufinanzieren, vorgelegt wird.

Gibt es in Italien eigentlich ein Grundbuch?

Wer sich im Land, wo die Zitronen blühen, ein Ferienhaus oder aber eine feste Bleibe kaufen will, der ist gut beraten, sich vor der Investition über die anzuwendenden Regeln zu erkundigen. Damit man nicht Protagonist in einer der Schauergeschichten wird, die kursieren, sollte man nicht davon ausgehen, dass der Kauf einer Immobilie genauso wie zuhause funktioniert. Gerade bei unbeweglichen Gütern, sind die Regeln vor Ort die entscheidenden.

Eine wichtige Frage ist also, ob es in Italien auch ein öffentliches Grundbuch gibt, das alle Rechte und Belastungen der Immobile bequem in Tabellenform nebeneinander aufführt. Dazu die erschreckende Nachricht: Nein, ein solches Ordnungsprinzip hat allein die Region Südtirol, die einen Sonderstatus genießt und schon aus historischen Gründen eng mit Österreich verbunden ist. Und in allen anderen 19 Regionen Italiens, herrscht da das Chaos?

Was die Rechte an Immobilien betrifft, kann man sagen, dass sicher kein Chaos herrscht. Hier sind die Regionen dem französischen Registersystem gefolgt, das durch Napoleon im 19. Jahrhundert in vielen Teilen Europas unter seiner Kontrolle eingeführt wurde, um die Erfassung von Gebieten für die für ihn lukrative Grundsteuer zu garantieren. Während das deutsche Grundbuch Folien mit Tabellen hat, die heute digital erfasst sind, sammelt das italienische Liegenschaftsregister (registro immobiliare oder conservatoria) jeder Region die beglaubigten oder öffentlichen Urkunden oder auch Urteile als Rechtstitel für alle Rechte und Pflichten, die mit einem Grundstück oder einem Gebäude zusammenhängen. Auch hier wird inzwischen jede Urkunde digital erfasst, aber in den Archiven stapeln sich noch die Urkunden aus den vergangenen Jahrzehnten. Das Liegenschaftsregister sammelt chronologisch nach Berechtigten, veröffentlicht und ist öffentlich. Die Urkunden, die hier auf Antrag zu finden sind, stellen die gültige Rechtslage an der jeweiligen Immobilie dar. Wichtig für den Interessenten: Wer also ein Haus verkaufen möchte, muss seine Berechtigung mit dieser Urkunde nachweisen.

Und Achtung: Ein Auszug aus dem Katasteramt (sog. visura) ist nicht dasselbe wie die o.g. Herkunftsurkunde. Auch wenn der Auszug über eine Immobilie in seiner Tabellenform an das deutsche Grundbuch erinnert und sich auf die Urkunde bezieht – und im besten Fall mit den Angaben übereinstimmt – sind die Informationen, die in dieser Tabelle zu finden sind, kein Beweis für das Bestehen eines Rechtes. Die Deutschen kennen das Katasteramt als Vermessungsamt (auch dafür war Napoleon der Verursacher). In Italien ist das Katasteramt dem Finanzministerium unterstellt und dient zur Erfassung der technischen Besteuerungsgrundlagen. Dort findet sich u.a. die vom Katasteramt geschätzte Oberfläche und der Fiskalwert (valore catastale), der Grundlage für alle Steuerzahlungen im Zusammenhang mit der Immobilie ist. Natürlich werden auch Berechtigte angegeben, aber diese Angabe ist „ohne Gewähr“, nur die Herkunftsurkunde kann Sicherheit bieten.

Im Gegensatz zum deutschen Katasteramt werden die Vermessungen nicht von Amts wegen vorgenommen, sondern können durch privat beauftragte Techniker erfolgen. Hier kann es gerade bei älteren Gebäuden zu Diskrepanzen zwischen dem eingetragenen und dem effektiven Zustand der Immobilien kommen. Bis vor zehn Jahren waren Liegenschaftsregister und Kataster nicht miteinander vernetzt. Das hatte auch zur Folge, dass Herkunftsurkunden von einem Hühnerstall sprachen, der zwischenzeitlich zu einem Schloss ausgebaut worden war. Häufig wurde nach dem Umbau oder der Erweiterung eine Anpassung der Angaben im Kataster vergessen – natürlich ist diese gebührenpflichtig. Aber jetzt ist es Pflicht der Eigentümer, alle Angaben zu koordinieren. Der Verkäufer hat also zu klären, ob Istzustand und registrierter Zustand des Gebäudes übereinstimmen, bevor es dann wieder vor dem Notar zur nächsten Beurkundung über einen Verkauf kommt.

Also besser nicht verwechseln: der italienische Katasterauszug ist kein Grundbuchauszug und nur die notarielle Herkunftsurkunde macht rechtssichere Angaben.

Schlagwörter: , , ,

Immobilieneigentum in Italien: Das kommt auf Sie zu

Bei strahlendem Sonnenschein ist der Kauf einer Ferienimmobilie mit Blick auf die Berge, den See oder das glitzernde Meer geglückt, da kann man sich eigentlich mit einem Glas Wein in der Hand beruhigt zurücklegen und das „dolce vita“ geniessen … Natürlich, aber nicht zu lange.

Leider ist Italien nicht das vollkommene Paradies. Ferien- und / oder Auslandsimmobilien produzieren auch für den ausländischen Eigentümer eine Reihe von Pflichten. Da die italienischen Behörden nur in Ausnahmefällen mit den Verpflichteten schriftlich Kontakt aufnehmen oder von sich aus informieren, ist es also besser, vorbereitet zu sein. Sobald die Unterschrift auf der notariellen Erwerbsurkunde trocken ist, geht es los:

Steuerpflichtig in Italien

Als Immobilieneigentümer sind Sie nach dem Erwerb und der Zahlung der Grunderwerbssteuer beim Notarvertrag automatisch für die Immobilie weiter steuerpflichtig in Italien, auch wenn Sie nur in den Ferien dort sind und den ersten Wohnsitz, den Verdienst und das Vermögen im Ausland haben und versteuern. Im Notarvertrag haben Sie dazu eine steuerliche Bezugsadresse in Italien („domicilio fiscale“) gewählt, in der Regel an der Adresse der erworbenen Immobilie.
Das Eigentum als solches wird durch den italienischen Staat grundsätzlich als steuerbarer Geldvorteil gesehen. Der steuerliche Gewinn einer Immobilie, die rendita muss in Italien versteuert werden, ganz unabhängig davon, ob man dort auch seinen Wohnsitz hat. Die Bemessung wird auf den sog. Katasterwert der Immobilie bezogen. Dieser wird für ganz Italien und jede Immobilie durch die Finanzbehörde verfügt und ist aus dem Katasterauszug der erworbenen Immobilie und der Notarurkunde ablesbar. Als rendita wird dort die Gewinnquote in Euro angegeben. Nur, wenn der Betrag für alle erworbenen Immobilien unter € 500,00 liegt, ist man von der Steuererklärung befreit. Sonst erfordert die Steuerpflichtigkeit eine jährliche Einkommens-Steuererklärung (sog. IRPEF) für alle natürlichen Personen, einzureichen bis zum 30.6., am besten durch einen italienischen Steuerberater. Keine falschen Hoffnungen: Hier gibt es auch keine Befreiung in bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen, die Steuer „klebt“ am Standort der Immobilie.

Steuern und Gebühren vor Ort

Daneben werden nach dem Immobilienerwerb direkt gegenüber der Gemeinde verschiedene Steuern und Gebühren fällig:
Die kommunalen Immobiliensteuern für Zweitwohnungen (IMU imposta municipale unica) werden zum 30.6. und 31.12. jeden Jahres gezahlt. Daneben sind natürlich die Müllgebühren an die Gemeinde zu entrichten (TARI: tassa sui rifiuti), in 4 Raten oder einmal zum 30.7. Die Zahlungen wurden zuletzt 2013 für die getrennte Müllentsorgung (Glas, Plastik&Verpackungen, Papier, Bioabfälle, Gartenabfälle) für ganz Italien überarbeitet.
Die dafür zuständigen Gemeinden müssen den Service nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip organisieren, was einige Erhöhungen zur Folge hatte. Zusätzlich hat jede Gemeinde eine Müllordnung, in der die Einzelheiten festgelegt sind. So ist zu beachten: Auch wenn ich über Jahre das Haus nicht nutzen sollte, fällt die Gebühr dennoch an. Genau wie die Grundgebühren für Strom, Wasser und ev. Gas. Seit 2014 können die Gemeinden zudem eine allgemeine Servicesteuer (TASI: tassa sui servizi indivisibili) erheben.

Die Zahlungen an Steuerbehörde und Gemeinde haben grds. auf speziellen Vordrucken zu erfolgen (Formular „F 24“). Diese werden bei den Banken zur Verfügung gestellt, können in Papierform oder online ausgefüllt werden, dafür ist wegen der notwendigen Zahlungscodes allerdings Fachwissen erforderlich. Eine Online-Zahlung setzt ein italienisches Bankkonto voraus. Zahlungen aus dem Ausland sind im Einzelfall nur gegenüber den Gemeinden und per SEPA-Überweisung möglich, wenn zuvor eine solche Zahlungsweise ausdrücklich ermöglicht wurde.

Da in Italien grundsätzlich das ungeschriebene Prinzip gilt: „der Bürger und Steuerpflichtige hat sich selbst zu kümmern“ und Unwissenheit oder mangelnde Sprachkenntnisse nicht vor Strafe schützen, kann es durchaus sein, dass Sie weder von der Gemeinde oder sonst einer Behörde eine Zahlungsaufforderung zugesandt bekommen.

Deshalb sind vertrauensvolle Helfer wichtig, wenn man die Landessprache nicht oder noch nicht gut beherrscht. Proaktiv nachzufragen ist immer die bessere Lösung. Auch wenn es manchmal Jahre dauert, haben gerade die kleinen die Gemeinden inzwischen erkannt, welche Einnahmemöglichkeiten in den Gebühren liegen. Stellen sie ausgebliebene oder unvollständige Zahlungen fest, ergeht ein Nachzahlungsbescheid in doppelter Höhe nebst Zinsen. Das kann dann sehr teuer werden und die gute Ferienlaune nachhaltig verderben.

Zum Autor: Ulrike Cristina ist Rechtsanwältin mit Zulassung in Deutschland und Italien. Sie betreibt seit zwei Jahrzehnten die einzige deutsche Rechtsanwaltskanzlei am Lago Maggiore.

Hier den Artikel als PDF herunterladen.

Schlagwörter: , ,