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Flüchtlingskrise

Tod in der Abschiebehaft

Informationen vom italienischen Innenministerium zufolge, waren im Juli 2015 fünf „Aufnahme- und Abschiebungseinrichtungen“ (centri di identificazione ed espulsione – Cie) im Einsatz. In diesen Zentren werden Einwanderer bis zur Rückführung in Abschiebehaft gehalten, um zu verhindern, dass sie untertauchen. Die Verweildauer vom Identifikationsverfahren bis zur tatsächlichen Abschiebung darf maximal 18 Monate betragen (decreto legge n.89/2011 convertito dalla legge n.129/2011).

Einige der Gefangenen sind während der Haft gestorben. Manchmal ist die Todesursache unklar, manchmal ist sie Selbstmord, aber auch fehlende ärztliche Behandlung steht als Anklage im Raum. Kläger ist die unabhängige Organisation „Morti di CIE – Storie di ordinaria detenzione amministrativa“ („Tod in der Abschiebehaft – Chroniken aus dem Verwaltungsakt der gewöhnlichen Ingewahrsamnahme“). Ihr Ziel ist es, jeden Todesfall in Hafteinrichtungen für illegale Migranten seit 1998 zu erzählen und zu analysieren.

Dazu haben sich Wissenschaftler und Experten für Einwanderungsrecht, Anthropologen, Fotografen, Videomacher, Journalisten und Grafiker als Aktivisten für den Schutz von Menschenrechten verschrieben, zu dokumentieren, wie die italienische Justiz mit jedem einzelnen Fall umgegangen ist. Durch das Studium von Dokumenten und Zeugenaussagen soll letztlich festgestellt werden, ob und wie der Tod hätte verhindert werden können. Dabei will das Projekt nicht Strafverfolger spielen sondern es wird versucht, die wahre Todesursache, das Warum zu verstehen. Und den Staat in die Pflicht zu rufen, Haftbedingungen und bürokratische Fallstricke zu überdenken.

Die Liste der Fälle ist lang – konzentriert hat sich „Morti di CIE“ bislang auf:

Estate 1998 – Amin Saber – CPT di Pian del Lago – Caltanissetta
01.08.1998 – Adeleh Saler – CPT Lampedusa
24.12.1999 – Mohamed Ben Said – CPT Ponte Galeria – Roma
29.12.1999 – Strage di sei migranti, CPT Serraino Vulpitta – Trapani
12.01.2005 – Said Zigoui – CPT Lamezia Terme
01.01.2006 – Mehdy Alik – CPT Pian del Lago – Caltanissetta
06.08.2006 – Mohamed Aloui – CPT Bologna
01.12.2006 – Christiana Amankwa – CPT Ragusa
09.12.2006 – Alexander Nikolov, CPT diLamezia Terme
14.10.2007 – Ajouli Monam – CPT Modena
17.10.2007 – Huri Mohamed – CPT Modena
24.05.2008 – Fathi Neji Hassan – CPT Torino
30.06.2008 – Yussuf Abubakr – CIE Caltanissetta
25.12.2009 – Carlos S. – CIE di Milano
19.03.2009 – Salah Souidani – CIE di Ponte Galeria – Roma
07.05.2009 – Mabrouka Mimuni – CIE di Ponte Galeria – Roma
08.03.2012 – Abdou Said – CIE di Ponte Galeria – Roma
12.03.2012 – Ac Nande – Ospedale Sant’Orsola – Cie di Bologna
10.08.2013 – Moustapha Anaki – CIE di Crotone
30.04.2014 – Abdel Majid El Kodra – CIE di Gradisca d’Isonzo
07.02.2015 – Reda Mohamed – CIE di Bari

Quellen:
Innenministerium
Morti di CIE