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Warten auf Ede & Friends

Da liege ich nun schon die zweite Nacht wach und warte auf sie: die Einbrecher. Sie kommen "hinten über die Felder" zu den Häusern hier am Stadtrand, fingern das Türschloss auf, suchen im Erdgeschoss nach Wertsachen und hauen dann wieder ab.


Angefangen hat es mit dem letzten Haus an der Strasse vor zwei Wochen. Die Dame des Hauses hat ihre Handtasche auf einem Feldweg wieder gefunden, nur das Geld war herausgenommen worden. (Einen Tag davor wurden unserem Nachbarn die Hühner gestohlen – viere an der Zahl und richtig schön fett.)
Vorgestern nun hat es ein Doppelhaus am anderen Ende des Weges erwischt. In einer Wohnung wurde Geld aus der Handtasche und dem Herrenportemonnaie sowie die Autoschlüssel gestohlen (das Portemonnaie wurde auseinandergefieselt und nur das Bargeld mitgenommen). In der Wohnung nebendran musste die Bewohnerin nachts auf die Toilette, hat alle Lichter angemacht, und damit die Einbrecher wohl gestört: Die Eingangstür war aufgebrochen, aber es fehlte nichts. Am folgenden Morgen haben die Bewohner Bonbonpapier, passend zu den entwendeten Süssigkeiten aus der Handtasche der Ehefrau, auf einem anderen Feldweg hinter dem Haus gefunden. Alle sind froh, dass es Diebe sind, die offenbar „gentil uomini“ sind, und man nicht neben dem finanziellen Schaden auch noch zu Kommune, Banken, etc. rennen muss, um entwendete Dokumente erneuern zu lassen.

Wir haben uns also irgendwie vorbereitet: Eheringe und das neue TomTom liegen nicht mehr im Wohnzimmer unten rum. Meine Handtasche ist oben bei uns. Weil ich Angst habe, die Diebe so nach oben in die Schlafräume zu locken, liegen unten zwanzig Euro „rum“. Hoffentlich reicht den Herren das. Aber sicher bin ich mir nicht. Deshalb liege ich ja auch nun wach.

Wir warten auf ein Päckchen mit einer Sicherheitsanlage drin, also Bewegungsmelder und gekoppelte Sirene direkt im Schlafzimmer. Bis dahin müssen Minialarme an den Fenstern vom Chinesen ihren Dienst tun. Die Batterien lassen aber immer mehr nach (der Alarm wird ja immer wieder ausprobiert, und morgens werden die Fenster wegen der Fensterläden geöffnet, immer mit grossem – bzw. abnehmendem SIRRSIRR) und es wird also Zeit, dass mal das Päckchen ankommt.

Dabei sind wir froh, dass die Diebesbande anscheinend nur auf Bares aus ist – meine Freundin aus Battipaglia hat mir von zwei bekannten Familien erzählt, wo die Einbrecher die schlafenden Bewohner mit einem Gas betäubt hatten um die Wohnungen jeweils in aller Ruhe ausräumen zu können. Brrrrr.

Nun warte ich also auf unsere Einbrecher. Die Carabinieri haben den Leuten am Ende der Strasse gesagt, dass diese normalerweise zwischen drei und fünf Uhr kommen. Ist also noch was hin. Ich hab schon mal das Licht im Flur angelassen . . .

Gute Nacht!

Über Susanne (10 Artikel)
Susanne hat einen Sohn und arbeitet freiberuflich als Übersetzerin. Sie lebt in Vigevano und kümmert sich dort auch um heimatlose Vierbeiner.
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